Winkler-Hermaden - Rotwein auf dem Vulkan von Kapfenstein
Ein Schloss aus dem 11. Jahrhundert, 38 Hektar auf Basalt und Tuff - und mit dem Olivin der bekannteste Rotwein der Steiermark.
Ein Geologe heiratet auf den Vulkan
Die Burg auf dem Kapfensteiner Kogel wurde im 11. Jahrhundert vom Geschlecht der Caphensteiner erbaut und hat Türkenangriffe, Belagerungen, Verfall und Wiederaufbau überstanden. 1898 kaufte sie der Berliner Rittmeister Ludwig Arendt; 1918 erbte Magdalena Winkler-Hermaden die Burg samt Ländereien von ihm.
Ihr Mann hiess Arthur Winkler-Hermaden - und war nicht irgendwer. Der Professor an der Technischen Hochschule Graz zählte zu den bedeutenden Geologen Österreichs, wirkliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften, und sein Lebensthema waren ausgerechnet die Vulkane am Ostrand der Alpen. Seine Erkenntnisse sind bis heute Grundlage jeder Neubearbeitung der Region, und das Museum Geo-Info Kapfenstein im Ort basiert auf seiner geologischen Sammlung.
Der Mann, der das Steirische Vulkanland wissenschaftlich beschrieb, bewirtschaftete also einen Hof auf einem seiner Vulkane.
Die Generationen danach teilten sich die Arbeit auf: Sohn Burkhardt und seine Frau Eva bauten die Burg nach dem Krieg zum Buschenschank und weiter zum Gastronomiebetrieb aus. Unter Georg und Margot verschob sich der Schwerpunkt vom gemischten Gutsbetrieb zum Wein. Im Jänner 2025 ging der Erbhof an Christof, den ältesten Sohn, der ihn mit seiner Frau Kathi führt.
Basalt und Tuff statt Kalk
Das Vulkanland heisst so wegen seiner erloschenen Vulkankegel - aber die wenigsten Weingärten stehen tatsächlich darauf. Neumeister in Straden etwa wurzelt in kalkreichen Sedimenten. Hier ist es anders: Die Reben von Winkler-Hermaden stehen auf Verwitterungsböden aus Basalt und Tuff, daneben auf tertiären Sedimenten. Auf den bekanntesten Rieden sind die Rebstöcke über 40 Jahre alt.
Wie ernst der Betrieb den Boden nimmt, zeigt die Einstiegslinie: Die Bergweine sind nicht nach Sorte benannt, sondern nach Untergrund - Welschriesling "vom Basalt", Sauvignon Blanc "vom Tuff", Muscaris "vom Sand".
Bewirtschaftet werden zwei Orte: Kapfenstein rund um den Kogel und Klöch, das Traminer-Dorf des Vulkanlands.
| Ried | Ort | STK-Stufe |
|---|---|---|
| Kirchleiten | Kapfenstein | Grosse STK Ried |
| Rosenleiten | Kapfenstein | Grosse STK Ried |
| Schlosskogel | Kapfenstein | Erste STK Ried |
| Winzerkogel | Kapfenstein | Riedenwein |
| Ölberg | Klöch | Riedenwein |
| Hochwarth | Klöch | Riedenwein |
Der Olivin
Der bekannteste Wein des Hauses ist ein Rotwein, und das ist in der Steiermark schon die halbe Geschichte.
Als Georg Winkler-Hermaden 1977 nach seinen Lehr- und Wanderjahren zurückkam, war Rotwein im Betrieb bereits ein Thema - der Blaue Zweigelt "Roter Ritter" hatte in den Siebzigern einen Namen. Georg und seine Frau Margot wollten mehr: einen Rotwein vom Vulkan mit Kraft, Fülle und Eleganz.
Die Entstehung lief in drei Schritten. 1986 kam ein erster Prototyp als "Margot's Wein" auf den Markt, seiner Frau als Hochzeitsgeschenk gewidmet. 1987 hiess er "Blauer Zweigelt Barrique". Und 1988 erschien der erste Jahrgang unter dem Namen OLIVIN mit dem bis heute ikonischen Etikett - im selben Jahr stellte der Betrieb auf hundert Prozent eigenes Holz für die Fässer um.
Der Name ist wörtlich zu nehmen. Olivin ist ein grünes Mineral, das in Kapfenstein als sogenannte Olivinbombe vorkommt: Brocken aus dem Erdmantel, die der Vulkan vor rund 16 Millionen Jahren mit an die Oberfläche riss. Auf dem Etikett steht dazu: "Grüner Kristall im Vulkangestein vereint Rebe und Eiche im Wein."
Die Machart ist aufwendig und in den Details ungewöhnlich:
- Die Trauben werden von Hand ausgedünnt, dabei werden Trauben halbiert, damit die übrigen mehr Zucker, Gerb- und Farbstoff bekommen.
- Bei der Ernte wird selektiert - reicht die Qualität nicht, wird aus den Trauben der einfache Steiermark-Zweigelt.
- Vergoren wird im Stahltank, insgesamt rund vier Wochen auf der Maische.
- Danach 24 Monate in 300-Liter-Fässern aus Kapfensteiner Eiche - das Holz wächst auf demselben Hügel wie die Reben.
- Während der Reife verdunsten rund drei von hundert Fässern pro Jahr. Nachgefüllt wird monatlich, zweimal jährlich werden die Fässer geleert, gereinigt und neu befüllt.
Die Zweigelt-Fläche wuchs parallel mit: von 0,75 Hektar im Jahr 1977 auf heute rund neun Hektar, gepflanzt grösstenteils auf alten, nach der Reblaus aufgelassenen Weingärten. Wer wissen will, was aus Zweigelt werden kann, wenn man ihn ernst nimmt, findet hier einen der besten Belege.
Was die Weine kosten
Stand September 2026 im Onlineshop:
| Stufe | Beispiel | Preis |
|---|---|---|
| Gebietswein | Steiermark Rosé | 8,10 € |
| Bergwein | Welschriesling vom Basalt, Muscaris vom Sand | 9,50 bis 10,00 € |
| Bergwein | Sauvignon Blanc vom Tuff | 12,50 € |
| Ortswein | Kapfenstein Morillon, Klöch Gewürztraminer | je 16,00 € |
| Rotwein | Olivin | 24,00 € |
| Riedenwein | Ried Klöcher Hochwarth Sauvignon Blanc | 25,00 € |
| Erste STK Ried | Ried Schlosskogel Grauburgunder | 27,50 € |
| Grosse STK Ried | Ried Kirchleiten Traminer | 30,00 € |
| Rotwein | Olivin Reserve | 42,00 € |
| Grosse STK Ried | Ried Kirchleiten Sauvignon Blanc, ältere Jahrgänge | 35,00 bis 86,00 € |
Im Gault&Millau Weinguide 2026 steht der Betrieb bei vier Trauben. Am besten bewertet ist der Grauburgunder Ried Schlosskogel 2021 mit 94 Punkten; die Jury hob dessen Finesse und Pikanz hervor. Je 93 Punkte gingen an den Sauvignon Blanc Ried Klöcher Hochwarth und den Traminer Ried Kirchleiten.
Auffällig ist die Tiefe des Archivs: Vom Sauvignon Blanc Ried Kirchleiten sind Jahrgänge zurück bis 2010 im Verkauf, mit steigenden Preisen je älter der Wein.
ROC statt Demeter
Die Umstellung auf biologisch-organische Bewirtschaftung erfolgte 2009. Seither, berichtet der Betrieb, haben sich Weingärten, Äcker, Wiesen und Obstgärten in ein Habitat verwandelt, in dem Hirschkäfer, Smaragdeidechsen und Langohrfledermäuse leben.
2024 kam die Zertifizierung nach ROC dazu - Regenerative Organic Certified, ein Standard, der über den Bio-Begriff hinausgeht und Humusaufbau, Tierwohl und soziale Kriterien einschliesst. In Österreich ist das noch eine Seltenheit.
Bemerkenswert offen ist, wie der Betrieb sich dabei von der Biodynamie abgrenzt. Man habe sich intensiv damit befasst und sei zu dem Schluss gekommen, sich nicht mit allen Themen daraus identifizieren zu können. Übernommen werde nur, was richtig erscheine: den Hof als Ganzes zu sehen, Nährstoffkreisläufe zu schliessen und möglichst autark zu werden. Praktisch heisst das, dass neben dem Wein weiterhin Schafhaltung, Ackerbau und Obstbau zum Betrieb gehören.
Auf rund 38 Hektar stehen 16 Rebsorten. Die wichtigsten sind Blauer Zweigelt, Sauvignon Blanc und Gewürztraminer - dazu kommen mit Muscaris und Souvignier gris auch PIWI-Sorten.
Schloss, Hotel und Restaurant
Die einstige Trutzfeste ist heute als Schloss Kapfenstein Hotel und Restaurant mit 17 Gästezimmern. Damit ist der Betrieb einer der wenigen in der Steiermark, bei denen Weingut und Beherbergung dieselbe jahrhundertealte Bausubstanz teilen.
Besuch
Die Adresse ist Kapfenstein 106, 8353 Kapfenstein. Von Graz sind es rund 60 Kilometer nach Südosten, die ungarische und die slowenische Grenze sind jeweils nicht weit. Führungen und Weinverkostungen gibt es nach Vereinbarung.
Winkler-Hermaden gehört zu den zwölf Steirischen Terroir- und Klassikweingütern und ist neben Neumeister und Frauwallner einer von drei Vertretern aus dem Vulkanland.
FAQ - Häufige Fragen zum Weingut Winkler-Hermaden
Wo liegt das Weingut Winkler-Hermaden?
In Kapfenstein im Vulkanland Steiermark, Adresse Kapfenstein 106, 8353 Kapfenstein. Von Graz sind es rund 60 Kilometer nach Südosten.
Wie gross ist das Weingut Winkler-Hermaden?
Rund 38 Hektar mit 16 Rebsorten, verteilt auf Kapfenstein und Klöch. Die wichtigsten Sorten sind Blauer Zweigelt, Sauvignon Blanc und Gewürztraminer.
Was ist der Olivin?
Ein reinsortiger Blauer Zweigelt aus Kapfenstein, den Georg und Margot Winkler-Hermaden entwickelt haben. Der erste Jahrgang unter diesem Namen war 1988. Er reift 24 Monate in 300-Liter-Fässern aus Kapfensteiner Eiche und kostet 24 Euro, als Reserve 42 Euro.
Woher kommt der Name Olivin?
Von einem grünen Mineral, das in Kapfenstein als Olivinbombe vorkommt - Material aus dem Erdmantel, das der Vulkan vor rund 16 Millionen Jahren mit an die Oberfläche brachte.
Stehen die Reben wirklich auf einem Vulkan?
Ja. Anders als viele Betriebe im Vulkanland, deren Böden sedimentär sind, wurzeln die Reben hier in Verwitterungsböden aus Basalt und Tuff am Kapfensteiner Kogel.
Welche Rieden hat Winkler-Hermaden als Grosse STK Ried?
Kirchleiten und Rosenleiten, beide in Kapfenstein. Als Erste STK Ried klassifiziert ist der Schlosskogel.
Ist Winkler-Hermaden ein Biobetrieb?
Ja, biologisch-organisch seit 2009. Seit 2024 ist der Betrieb zusätzlich nach ROC zertifiziert, einem regenerativ-organischen Standard. Der biodynamischen Zertifizierung hat sich der Betrieb bewusst nicht angeschlossen.
Kann man auf Schloss Kapfenstein übernachten?
Ja. Die Burg aus dem 11. Jahrhundert wird als Hotel und Restaurant geführt und hat 17 Gästezimmer.


