Zwischen zwei berühmten Nachbarn

Das Kremstal hat es nicht leicht. Im Westen liegt die weltberühmte Wachau. Im Norden das ebenso prominente Kamptal. Das Kremstal dazwischen wirkt auf den ersten Blick wie eine Übergangszone - und ist doch eine eigenständige Region mit klarer Handschrift, grossartigen Winzern und exzellenten Lagen. Wer sich von der Überlinie der Wachauer Weinbauschule nicht einschüchtern lässt und auf die Südseite des Kremstals geht, findet dort oft noch unentdeckte Qualitätspotenziale.

Rund 272 Hektar Rebfläche, verteilt auf sechs Hauptgemeinden: Krems, Stein, Senftenberg, Rohrendorf, Gedersdorf, Furth. Die Winzervereinigung Kremstal Wein koordiniert die Vermarktung, die UNESCO-Welterbe-Region Wachau/Kulturlandschaft schliesst auch das Kremstal kulturell mit ein. Zentrum ist die historische Stadt Krems an der Donau, UNESCO-Welterbe-gelistet, Sitz einer der ältesten Weinbauschulen Europas. Die Kombination aus kleiner Fläche und hoher Qualitätsdichte macht das Kremstal zu einer der spannendsten Regionen Österreichs.

Die drei Zonen des Kremstals

Die Region lässt sich in drei geologisch und klimatisch unterschiedliche Zonen gliedern, die jeweils eigene Weintypen produzieren.

Krems und Stein - direkt an der Donau. Der Stadtteil Stein grenzt unmittelbar an die Wachau. Hier finden sich steile Terrassen mit Urgesteinsböden (Gneis, Glimmerschiefer). Die Weine entsprechen stilistisch der Wachau - mineralische Rieslinge, straffe Veltliner. Rieden wie Kögl, Steinbühel, Pfaffenberg sind hier zuhause.

Kremstal östlich - hier überwiegt Löss. Oft mächtige Terrassen, die sich über Höhenmeter erstrecken. Das Ergebnis: kräftige, runde, fruchtbetonte Grüne Veltliner. Diese Seite des Kremstals ist deutlich pannonischer geprägt - wärmer, trockener.

Göttweig-Süd - südlich der Donau, rund um das Benediktinerstift Göttweig. Weniger Rebfläche, aber reizvolle Lagen auf Löss und teilweise Kalk.

Das Klima: zwei Welten treffen

Das Kremstal liegt am Schnittpunkt zweier Klimaeinflüsse: nördlich-kontinental (aus dem Waldviertel) und pannonisch (aus dem Osten). Das Ergebnis: warme Tage, kühle Nächte, lange Reifephasen - ideal für Grünen Veltliner und Riesling. Die Donau wirkt zusätzlich klimastabilisierend und verhindert extreme Schwankungen. Im Frühjahr schützt sie vor Spätfrösten, im Herbst sorgt sie für kühle Nächte und damit für die erwünschte Säurehaltung.

Kremstal DAC - das Regelwerk

Seit 2007 gibt es die Kremstal DAC-Klassifizierung. Sie umfasst zwei Sorten:

  • Grüner Veltliner (dominant)
  • Riesling (zweitwichtigste Sorte)

Beide müssen trocken ausgebaut sein, typisch für die Region - also mineralisch-elegant bei Riesling, würzig-pfeffrig bei Veltliner. Seit 2020 gibt es die dreistufige Herkunftspyramide mit Gebietswein, Ortswein (z.B. Kremstal DAC Senftenberg) und Riedenwein (z.B. Kremstal DAC Pfaffenberg). Riedenweine müssen ausschliesslich aus einer einzigen Lage stammen.

Die besten Lagen

Urgestein-Lagen (Stein, Senftenberg)

Der Pfaffenberg in Stein ist Urgestein pur, südexponiert, eine der besten Riesling-Lagen Österreichs. Der Senftenberger Piri ist Grüner-Veltliner-Lage, konsequent mineralisch, ebenfalls Urgestein. Der Kögl bildet den Übergang zwischen Urgestein und Löss, sowohl für Veltliner als auch Riesling geeignet.

Löss-Lagen (östliches Kremstal)

Der Gaisberg mit weitreichenden Lössterrassen bringt fülligere Veltliner. Weinzierlberg und Marthal in Rohrendorf sind klassische Veltliner-Lagen auf Löss. Gebling bei Gedersdorf liefert Qualitätsveltliner, einige Reserve-Qualitäten aus dieser Lage.

Die wichtigen Winzer

Das Kremstal hat eine Reihe international bekannter Betriebe:

  • Nigl (Senftenberg) - einer der besten Weissweinbetriebe Österreichs, weltweit anerkannte Rieslinge vom Pfaffenberg und Piri
  • Salomon-Undhof (Stein) - traditionsreiches Haus, grosser Betrieb mit Spitzenqualität
  • Malat (Furth) - bio, mit starkem Fokus auf Burgundersorten
  • Stadt Krems (Krems) - historischer Grossbetrieb, heute unter Fritz Miesbauer geführt
  • Weingut Mantlerhof (Brunn im Felde) - spezialisiert auf Roten Veltliner
  • Sepp Moser (Rohrendorf) - Bio, biodynamisch, sehr präzise Weine
  • Müller (Krems) - klassische Qualität

Diese Winzer machen das Kremstal zu einer der spannendsten Qualitätsregionen Österreichs - oft zu Preisen, die unter denen der Wachau liegen.

Roter Veltliner - die Kremstaler Rarität

Eine kremstalsche Besonderheit: der Rote Veltliner. Nicht zu verwechseln mit dem Grünen Veltliner - der Rote ist eine eigene, alte Sorte, die fast nur noch im Kremstal und im benachbarten Wagram kultiviert wird. Fülliger als Grüner Veltliner, mit Kräuter-, Quitten- und leicht exotischen Fruchtnoten. Oft etwas weniger Säure, dafür mehr Schmelz. Ein Wein für Kenner, selten zu finden, aber wer ihn schätzt, bleibt oft dabei. Das Weingut Mantlerhof ist auf Roten Veltliner spezialisiert.

Stilistik: zwischen Wachau und Weinviertel

Der typische Kremstaler Grüne Veltliner hat die Mineralität der Wachau, die pfeffrige Würze des Weinviertels, die Fülle der pannonischen Lagen und eine leichte Rundung durch Löss. Ein gewisser Mittelweg, der im besten Fall die Vorzüge aller Nachbarregionen kombiniert.

Beim Riesling ist die Verwandtschaft zur Wachau offensichtlich - die Urgestein-Lagen liefern gleichwertige Weine, oft zu günstigeren Preisen. Ein Nigl Riesling Pfaffenberg kostet um 35 Euro - ein Smaragd-Riesling aus der Wachau vergleichbarer Qualität bei 60 Euro aufwärts. Das ist der Kremstaler Preis-Leistungs-Vorteil.

Preise und Kauf

Die Preisspanne:

  • Einstiegs-Veltliner und -Rieslinge: 8 bis 15 Euro
  • Ortsweine (Senftenberg, Stein): 15 bis 25 Euro
  • Riedenweine: 25 bis 50 Euro
  • Reserve und Top-Riedenweine: 50 bis 90 Euro

Der Handel läuft über Wein & Co, Del Fabro Kolarik und spezialisierte Händler. International ist das Kremstal gut vertreten in USA, UK und Deutschland.

Tourismus: Krems und das Donauufer

Die Stadt Krems ist UNESCO-Welterbe (als Teil der Kulturlandschaft Wachau). Die Altstadt mit dem Steiner Tor, der Wachauer Weg entlang der Donau, das Weingut Stadt Krems mitten im Stadtgebiet - Weintourismus und Kultur gehen hier zusammen. Die Weinstadt Krems veranstaltet jedes Jahr die Weinfachtage und die Weinfrühling-Verkostung. Viele Winzer haben Vinotheken und Verkaufsräume - einige bieten regelmässige Verkostungen an. Von Wien aus ist Krems in 70 Minuten mit dem Auto erreichbar.

Einordnung

Das Kremstal ist eine Region mit eigenständiger Identität, die manchmal von der strahlenden Wachau überdeckt wird. Zu Unrecht: die Qualitäten sind ebenbürtig, die Preise oft günstiger, die Vielfalt grösser. Wer einen Kremstal DAC Grüner Veltliner oder einen Pfaffenberg-Riesling trinkt, bekommt österreichischen Weissweinbau auf absolutem Top-Niveau.

Für Kontext siehe auch: Wachau, Kamptal, Wagram und den Grünen Veltliner-Artikel.

FAQ

Wie gross ist das Kremstal?

Rund 272 Hektar Rebfläche, damit eine der kleineren DAC-Regionen Österreichs. Verteilt auf sechs Gemeinden rund um Krems an der Donau.

Was ist der Unterschied zwischen Kremstal und Wachau?

Die Wachau beginnt westlich von Stein, das Kremstal schliesst östlich an. Geologisch und klimatisch ähneln sich die Regionen, stilistisch sind die Kremstaler Weine oft etwas runder (mehr Löss) und die Preise niedriger.

Welche Sorten gibt es im Kremstal DAC?

Grüner Veltliner und Riesling, beide trocken. Alle anderen Sorten laufen als "Niederösterreich"-Herkunft.

Wer sind die bekanntesten Winzer im Kremstal?

Nigl, Salomon-Undhof, Malat, Stadt Krems, Sepp Moser, Mantlerhof, Müller - alle mit internationaler Reputation.

Welche Lagen sind im Kremstal besonders berühmt?

Pfaffenberg (Stein, Urgestein, Riesling), Senftenberger Piri, Kögl, Gaisberg, Weinzierlberg, Marthal. Jede mit eigenem Charakter.

Was ist Roter Veltliner?

Eine alte Sorte, die fast nur im Kremstal und Wagram kultiviert wird. Nicht verwandt mit Grünem Veltliner, sondern eine eigene Sorte mit fülligerem, aromatisch intensivem Profil. Das Weingut Mantlerhof ist darauf spezialisiert.

Kann man das Kremstal gut besuchen?

Sehr gut. Die Stadt Krems ist UNESCO-Welterbe, viele Winzer haben Vinotheken, die Donau-Radwege laufen durch. Eine Tagestour von Wien ist problemlos machbar (70 km, rund 1 Stunde Fahrzeit).

Wie teuer ist ein guter Kremstaler Wein?

Im Einstiegssegment 8-15 Euro für Klassik-Qualitäten. Ortsweine 15-25 Euro, Riedenweine 25-50 Euro. Im Top-Segment 50-90 Euro. Für vergleichbare Wachauer Qualität oft 30-50 Prozent günstiger.