Aus vier Hektar wurden 27

Angefangen hat es 1770 als gemischter Landwirtschaftsbetrieb mit gerade einmal vier Hektar Weingärten. Seither ist der Hof in Steinbach bei Gamlitz ununterbrochen in Familienbesitz - heute sind es rund 27 Hektar, und im Keller wurden nach Zählung des Hauses über 250 Jahrgänge ausgebaut.

Zwei Namen aus dieser Geschichte wirken bis in die heutigen Flaschen. Peter Dreisiebner und Franz Lackner begannen in den 1920er-Jahren, eigene Rebselektionen sorgsam weiterzuvermehren. Diese Reben stehen bis heute in den Weingärten - was bedeutet, dass ein Teil des Rebmaterials nicht aus der Baumschule kommt, sondern aus hundert Jahren eigener Auslese.

Den Doppelnamen trägt das Weingut erst seit 1978, seit der Hochzeit von Wilma Lackner und Fritz Tinnacher.

Die Übernahme 2013

Katharina Tinnacher, Jahrgang 1985, kam auf einem untypischen Weg in den Betrieb: Gymnasium in Leibnitz, dann Weinbaustudium an der Boku in Wien statt der klassischen Weinbauschule. Zwischenzeitlich hatte sie mit Kunstgeschichte geliebäugelt.

2013 übernahm sie die Geschäftsführung und stellte den Betrieb unmittelbar auf biologische Bewirtschaftung um. Im Keller gilt seither: genaue Traubenselektion, schonende Pressung, nur das Herzstück, hundert Prozent Spontangärung - und bewusst keine Schönung und keine Zusätze.

Dazu kommt eine Entscheidung, die den Betrieb von fast allen Nachbarn unterscheidet: Es gibt weder Gasthaus noch Buschenschank. Wo der Sattlerhof ein Restaurant mit vier Hauben führt und Neumeister die Saziani Stub'n, konzentriert sich Lackner-Tinnacher ausschliesslich auf Wein.

Die Mengen schwanken entsprechend stark mit dem Jahrgang: rund 100.000 Flaschen in guten Jahren, 35.000 in schwierigen. Gegen diese Schwankung arbeitet Katharina Tinnacher mit Zeit - die Weine reifen zwei bis drei Jahre, bevor sie freigegeben werden.

Zweimal die Ausnahme im Boden

Die Weingärten liegen in zwei Orten, und in beiden ist der Betrieb geologisch der Sonderfall.

In Gamlitz, dem Heimatort, wachsen die Reben zwischen 320 und 550 Metern auf zumeist kalkfreien, wasserdurchlässigen Sanden aus Quarz und Glimmer. Der Steinbach- und der Kranachgraben schneiden tief in die Hügellandschaft und verstärken den Unterschied zwischen Tag- und Nachttemperatur.

In Kitzeck-Sausal ist es umgekehrt. Die Gegend ist Schieferland - die Weingärten des Betriebs aber wurzeln in maritimem Korallenkalk. Die Ried Flamberg ruht auf einem mächtigen Korallenkalkriff, das sich vor rund 15 Millionen Jahren im Urmeer gebildet hat; im Oberboden liegen bis heute versteinerte Muscheln.

Sieben Rieden

Bis auf die Ried Flamberg, die in Kitzeck-Sausal liegt, befinden sich alle in Gamlitz:

RiedSTK-StufeSeehöheBodenSorten
WellesGrosse STK Ried450-515 mSchotterkonglomeratSauvignon Blanc, Morillon
FlambergGrosse STK Ried400-450 mKorallenkalkSauvignon Blanc, Morillon
SteinbachErste STK Ried400-450 mSchotter, Sand, MergelSauvignon Blanc, Morillon, Grauburgunder
Steinbach KogelRiedenwein450-490 mSchotterWeissburgunder, Welschriesling
EckbergRiedenwein400-450 mKalkmergel (Opok)Morillon, Weissburgunder
GamitzRiedenwein400-435 mSchotterGelber Muskateller
TürkenRiedenwein350-400 mKalkmergelRoter Traminer

Die Ried Welles ist der Aushängeschild-Weingarten: ein steiler, starken Winden ausgesetzter Bergrücken, dessen kesselförmige Lage den Sauvignon Blanc laut Weingut zu Höchstleistungen treibt. Die Ried Steinbach Kogel gibt es als eigene Bezeichnung erst seit der Riedenabgrenzung 2022 - davor war sie der höchste Teil der Ried Steinbach. In der Ried Gamitz stehen die Muskateller-Rebstöcke seit dem Pflanzjahr 1963.

Was die Weine kosten

Stand September 2026 im Onlineshop, 0,75-Liter-Flaschen:

StufeBeispielPreis
GebietsweinSüdsteiermark Welschriesling14,00 €
GebietsweinFranz Lackner Welschriesling17,00 €
OrtsweinGamlitz Sauvignon Blanc19,00 €
OrtsweinKitzeck-Sausal Sauvignon Blanc21,00 €
RiedenweinRied Türken Roter Traminer19,00 €
RiedenweinRied Eckberg Morillon21,00 €
RiedenweinRied Steinbach Kogel Weissburgunder28,00 €
Erste STK RiedRied Steinbach Sauvignon Blanc, Morillon, Grauburgunderje 29,00 €
RiedenweinRied Gamitz Gelber Muskateller31,00 €
Grosse STK RiedRied Flamberg Sauvignon Blanc bzw. Morillonje 39,00 €
Grosse STK RiedRied Welles Sauvignon Blanc50,00 €
Grosse STK RiedRied Welles Morillon65,00 €
ReserveRied Welles Reserve77,00 €
SonderabfüllungRied Sernau Stockkultur Sauvignon Blanc89,00 €

Im Gault&Millau Weinguide 2026 steht der Betrieb bei fünf Trauben, der Höchstbewertung. Der Sauvignon Blanc Welles Reserve 2019 kommt auf 97 Punkte. Höher bewertet wurde in ganz Österreich nur ein Trio mit je 99 Punkten: Tement, Gross und der Sattlerhof. Je 96 Punkte gehen an den Morillon Ried Welles, den Sauvignon Blanc Ried Flamberg und den Sauvignon Blanc Ried Steinbach.

Ein Weingarten als Erinnerung

Die teuerste Flasche im Sortiment kommt aus einer Lage, die auf keiner Riedenliste des Hauses steht. Die Ried Sernau liegt höher als die Ried Welles, ein kleiner Südhang, den Fritz Tinnacher bewusst in traditioneller Stockkultur anlegte - als Erinnerung an frühere steirische Weinbautraditionen. Einzelpfahlerziehung, Dichtpflanzung, Trauben nah am Boden, fünf Jahre Ausbau auf der Hefe.

Diese Erziehungsform verschwindet aus der Steiermark; wo sie noch vorkommt, ist sie meist Altbestand wie bei Neumeister im Vulkanland. Hier wurde sie umgekehrt neu gepflanzt.

Zwei weitere Nebenlinien fallen auf. Unter dem Kürzel KTCN gibt es entalkoholisierte Getränke, die ausdrücklich nicht als alkoholfreier Wein auftreten wollen: Der "Sabotage" etwa besteht aus Traubensaft, Verjus und handverlesenen Kräutern und kostet 16 Euro. Und der rote Wermut des Hauses entsteht aus Bio-Zweigelt vom Weingut Neumeister, angesetzt mit Wermutkraut, Anis, Zimt, Nelken und schwarzen Nüssen.

Besuch

Die Adresse ist Steinbach 12, 8462 Gamlitz. Von Graz sind es rund 50 Kilometer nach Süden. Weinverkauf und Kellerführungen gibt es nach Vereinbarung - eine Gastronomie, wie sie in Gamlitz sonst zu fast jedem Betrieb gehört, hat das Weingut bewusst nicht.

Lackner-Tinnacher gehört zu den zwölf Steirischen Terroir- und Klassikweingütern. Die Nachbarschaft in der Südsteiermark ist dicht: Der Sattlerhof liegt ebenfalls in Gamlitz, Tement am Zieregg wenige Kilometer weiter.

FAQ - Häufige Fragen zum Weingut Lackner-Tinnacher

Wo liegt das Weingut Lackner-Tinnacher?

In Steinbach bei Gamlitz in der Südsteiermark, Adresse Steinbach 12, 8462 Gamlitz. Von Graz sind es rund 50 Kilometer.

Wie gross ist das Weingut Lackner-Tinnacher?

Rund 27 Hektar in Gamlitz und Kitzeck-Sausal, auf 320 bis 550 Metern Seehöhe. 1770 waren es vier Hektar.

Wer führt das Weingut Lackner-Tinnacher?

Katharina Tinnacher, seit 2013. Sie übernahm den Betrieb von ihrem Vater Fritz Tinnacher und stellte ihn sofort auf biologische Bewirtschaftung um.

Woher kommt der Doppelname Lackner-Tinnacher?

Von der Hochzeit von Wilma Lackner und Fritz Tinnacher im Jahr 1978. Davor hiess der Betrieb nur Lackner.

Welche Rieden hat Lackner-Tinnacher als Grosse STK Ried?

Welles in Gamlitz und Flamberg in Kitzeck-Sausal. Die Ried Steinbach ist als Erste STK Ried klassifiziert.

Hat Lackner-Tinnacher einen Buschenschank?

Nein. Das Weingut führt bewusst weder Gasthaus noch Buschenschank und konzentriert sich ausschliesslich auf Wein. Kellerführungen und Verkostungen gibt es nach Vereinbarung.

Was kostet ein Wein von Lackner-Tinnacher?

Die Gebietsweine beginnen bei 14 Euro, die Ortsweine liegen bei 19 bis 21 Euro. Die Riedenweine reichen von 21 bis 65 Euro, die Reserve kostet 77 Euro und der Sernau Stockkultur 89 Euro.

Was ist die Ried Sernau Stockkultur?

Ein kleiner Südhang oberhalb der Ried Welles, den Fritz Tinnacher bewusst in der alten Stockkultur anlegte: Einzelpfahlerziehung, Dichtpflanzung, Trauben nah am Boden. Der Wein reift fünf Jahre auf der Hefe und kostet 89 Euro.