Weinbau seit 1887, Flaschen seit den Siebzigern

Die Familie Sattler baut in Gamlitz seit 1887 Wein an. Das allein macht in der Südsteiermark noch keinen Betrieb besonders - dort haben viele Häuser ähnlich lange Wurzeln. Entscheidend war, was in den 1970er-Jahren passierte: Der Sattlerhof gehörte zu den ersten Betrieben der Region, die ihre trockenen Weissweine unter eigenem Namen in Flaschen füllten statt sie als Fasswein wegzugeben.

Das klingt nach einer Formalie. Es war der Bruch, aus dem die heutige Südsteiermark entstanden ist. Wer selbst abfüllt, muss eine eigene Handschrift haben, muss Lagen unterscheiden, muss verkaufen können. Wer Fasswein liefert, muss nur Menge liefern.

Willi Sattler und seine Frau Maria bauten den Betrieb in dieser Richtung aus. Heute führen ihn die Söhne Andreas und Alexander Sattler, beide mit internationaler Erfahrung, auf rund 35 Hektar in Sernau bei Gamlitz.

Sieben Rieden, zwei davon Grosse Lagen

Der Sattlerhof ist ein Lagenbetrieb. Die Weine tragen Riedennamen, und die Unterschiede zwischen ihnen sind der eigentliche Inhalt des Sortiments. Sieben Rieden werden bewirtschaftet:

RiedSTK-KlassifikationBodenHauptsorten
Alter KranachbergGrosse STK RiedKalk, Quarz, SchotterSauvignon Blanc (rund 90 Prozent)
PfarrweingartenGrosse STK RiedMuschel- und KorallenkalkMorillon, Grauburgunder
SernaubergErste STK RiedFeinsand mit SchotterauflageSauvignon Blanc, Muskateller
Trinkaus-Kalk, SchotterSauvignon Blanc
Kapellenweingarten-SchotterMorillon, Sauvignon Blanc, Muskateller
Marein-SchotterSauvignon Blanc, Muskateller
Grassnitzburg-KalkSauvignon Blanc

Der Kranachberg zieht sich zwischen Gamlitz und Leutschach hin und ist die international bekannteste dieser Lagen. Kalksand und leichter Glimmer geben den Weinen eine Würze, die anderswo nicht so vorkommt.

Der Pfarrweingarten ist ein kleiner, geschützter Südhang, der ausschliesslich vom Sattlerhof bewirtschaftet wird. Muschel- und Korallenkalk sind hier die Basis für die Burgundersorten statt für Sauvignon Blanc.

Die Ried Trinkaus liegt auf einem knapp 500 Meter hohen Hügelkamm, der Kapellenweingarten noch höher, bei rund 600 Metern. Die Grassnitzburg umfasst 1,3 Hektar in exponierter Höhenlage. Insgesamt stehen rund 120.000 Rebstöcke im Betrieb.

Was "Grosse STK Ried" auf dem Etikett bedeutet

Die Abkürzung taucht auf steirischen Flaschen ständig auf und wird selten erklärt. STK steht für die Steirischen Terroir- und Klassikweingüter, einen freien Zusammenschluss von zwölf Weingütern, der 2003 gegründet wurde. Die Gruppe hat getan, was in Österreich sonst der Gesetzgeber macht: Sie hat die besten Lagen der Steiermark klassifiziert.

Drei Stufen gibt es. Der einfache Riedenwein steht unten, darüber die Erste STK Ried, an der Spitze die Grosse STK Ried. Die Regeln gehen über das österreichische Weingesetz hinaus:

  • Der Ertrag ist auf 4.500 Liter je Hektar begrenzt. Das entspricht rund 6.000 Flaschen und liegt weit unter dem, was das Weingesetz erlaubt.
  • Zugelassen sind nur traditionell steirische Sorten: Sauvignon Blanc, Morillon, Weissburgunder, Grauburgunder, Riesling, Gelber Muskateller, Traminer.
  • Für eine Erste STK Ried müssen die Reben mindestens 12 Jahre alt sein, der Wein darf frühestens am 1. September des Folgejahres verkauft werden.
  • Für eine Grosse STK Ried liegt das Mindestalter bei 15 Jahren, der Wein reift mindestens 18 Monate und kommt frühestens im Mai des zweiten Jahres nach der Ernte in den Handel.

Die Lagen müssen von den Mitgliedsbetrieben selbst bewirtschaftet werden, es müssen Steilhänge mit Ost-West-Ausrichtung und begünstigtem Kleinklima sein. Nach Beobachtung des britischen Weinjournalisten Jamie Goode arbeitet die Hälfte der STK-Mitglieder biologisch, Herbizide verwendet keiner.

Handarbeit und Biodynamie

2013 stellte der Betrieb auf biologische Bewirtschaftung um. Seit Jänner 2021 ist er Mitglied bei respekt-BIODYN, dem österreichischen Verband für biodynamischen Weinbau, und arbeitet damit nach den strengeren biodynamischen Grundsätzen.

Praktisch heisst das: Die gesamte Arbeit im Weingarten passiert von Hand, vom Rebschnitt über die Laubarbeit bis zur selektiven Lese. Bei Hangneigungen, wie sie am Kranachberg vorkommen, gibt es dazu ohnehin keine Alternative - ein Traktor kommt dort nicht hinauf.

Sorten und Stil

Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf Sauvignon Blanc. Daneben stehen Morillon (die steirische Bezeichnung für Chardonnay), Welschriesling, Weissburgunder, Grauburgunder und Gelber Muskateller, dazu in kleinem Umfang Zweigelt und Pinot Noir.

Stilistisch geht der Sattlerhof den Weg, der die Südsteiermark von Neuseeland unterscheidet: kein lautes Stachelbeer-Aroma, sondern Würze, Struktur und Salzigkeit. Die Lagenweine sind auf Lagerung angelegt - bei einer Grossen STK Ried sind zehn Jahre Reifepotenzial Teil der Definition, nicht eine Behauptung des Erzeugers.

Preislich beginnt das Sortiment bei den Gebiets- und Ortsweinen im niedrigen zweistelligen Bereich. Ein Sauvignon Blanc von der Ried Kranachberg als Grosse STK Ried liegt bei rund 50 bis 55 Euro.

Vier Hauben und ein Michelin-Stern

Zum Weingut gehören ein Geniesserhotel, ein Wirtshaus und ein Restaurant - und dieses Restaurant hat den Betrieb zuletzt bekannter gemacht als jeder einzelne Wein.

Küchenchef ist Markus Sattler, der in Skandinavien gelernt hat und den Betrieb gemeinsam mit seiner Schwester Anna führt, die den Service verantwortet. Im Gault&Millau 2026 bekam er erstmals vier Hauben bei 17 Punkten, dazu kommt ein Stern im Guide Michelin. Serviert wird ein sechsgängiges Menü, in dem Gemüse den Ton angibt, mit Zutaten von benachbarten Biobauern, heimischen Jägern und aus dem eigenen Garten. Die Weinkarte umfasst rund 650 Positionen.

Der Guide Michelin führte den Sattlerhof zudem unter den 18 besten Weingarten-Restaurants weltweit.

Besuch

Die Adresse ist Sernau 2, 8462 Gamlitz. Von Graz sind es rund 50 Kilometer, die Fahrzeit beträgt etwa 45 Minuten. Weingut, Restaurant, Wirtshaus und Hotel liegen am selben Ort, Übernachtung gibt es im Stammhaus und im Landhaus.

Wer die Region ohnehin bereist: Der Sattlerhof liegt mitten in der Südsteiermark, zwischen Gamlitz und der slowenischen Grenze.

FAQ - Häufige Fragen zum Sattlerhof

Wo liegt das Weingut Sattlerhof?

In Sernau bei Gamlitz in der Südsteiermark, Adresse Sernau 2, 8462 Gamlitz. Von Graz sind es rund 45 Minuten Fahrzeit.

Wie gross ist der Sattlerhof?

Rund 35 Hektar mit etwa 120.000 Rebstöcken, verteilt auf sieben Rieden.

Wer führt das Weingut Sattlerhof?

Andreas und Alexander Sattler haben den Betrieb von ihren Eltern Willi und Maria übernommen. Bruder Markus Sattler führt die Küche, Schwester Anna Sattler den Service.

Was bedeutet "Grosse STK Ried"?

Die höchste Stufe der Lagenklassifikation der Steirischen Terroir- und Klassikweingüter. Voraussetzung sind unter anderem mindestens 15 Jahre alte Reben, maximal 4.500 Liter Ertrag je Hektar und mindestens 18 Monate Reifung vor dem Verkauf.

Welche Rieden hat der Sattlerhof als Grosse STK Ried?

Alter Kranachberg und Pfarrweingarten. Die Ried Sernauberg ist als Erste STK Ried klassifiziert.

Ist der Sattlerhof ein Biobetrieb?

Ja. Die Umstellung auf biologische Bewirtschaftung erfolgte 2013, seit Jänner 2021 ist der Betrieb Mitglied bei respekt-BIODYN und arbeitet biodynamisch.

Was kostet ein Sattlerhof Kranachberg?

Der Sauvignon Blanc Ried Kranachberg als Grosse STK Ried liegt bei rund 50 bis 55 Euro je Flasche. Gebiets- und Ortsweine beginnen deutlich darunter.

Hat das Restaurant Sattlerhof einen Michelin-Stern?

Ja, einen Stern im Guide Michelin. Im Gault&Millau 2026 erhielt Küchenchef Markus Sattler erstmals vier Hauben bei 17 Punkten.