Erwin Sabathi - Steiermarks südlichste Lage am Pössnitzberg
Zehn Generationen, 39 Hektar, davon 23 am Pössnitzberg: Wie Erwin und Patrizia Sabathi Steiermarks südlichste Rieden bewirtschaften.
Der Stammvater sass in Gamlitz
Die Familienlinie beginnt nicht dort, wo das Weingut heute steht. Sie beginnt 1650 bei Jerg Sabathi am Pilchenhof in Gamlitz - dem ältesten nachweisbaren Weinbau-Stammhalter der Familie. Die Ahnen hatten sich um 1500 rund 50 Kilometer nördlich angesiedelt, gekommen waren sie aus Italien. 2025 feierte der Betrieb das 375-Jahr-Jubiläum.
Der heutige Betrieb in Leutschach ist deutlich jünger, gegründet 1938. Den Aufschwung datiert das Haus selbst auf 1992, als Erwin Sabathi in zehnter Generation in den elterlichen Betrieb einstieg und darauf seinen eigenständigen Betrieb und die Marke aufbaute.
Für den Bau seines Weinkellers bekam er als Bauherr das Viktor-Geramb-Dankzeichen für gutes Bauen in der Steiermark. Der zweite Wendepunkt war der Einstieg seiner Frau Patrizia Sabathi: Der Betrieb gehört seit Jahren beiden gemeinsam, sie verantwortet neben der Geschäftsführung Presse, Marketing, Konzept und Design - und gestaltete den neuen Raritäten- und Holzfasskeller selbst. Erwins Brüder Gerd und Christoph arbeiten ebenfalls im Betrieb.
Ein Berg zwischen zwei Bächen
Der Name verrät die Geologie. Pössnitz kommt vom slawischen pesek, also Sand; der Pössnitzberg ist der Berg zwischen zwei sandführenden Bächen, die dort gemeinsam entspringen. Urkundlich taucht der Ort als Pesnich bereits 1139 auf, der Pössnitzberg selbst 1436 - damals waren die Grafen von Cilli hier Grundherren.
Von den 39 Hektar des Weinguts liegen 23 Hektar an diesem einen Berg. Es sind die südlichsten Rieden der Steiermark, extrem steil, von dichten Wäldern umgeben und nahezu nur von Hand zu bewirtschaften. Am Pössnitzberg ist Sabathi nach eigenen Angaben fast alleiniger Bewirtschafter.
Geologisch ist der Berg ein Sonderfall: Er lag vor Millionen Jahren am südlichen Rand eines Meeresbeckens und hat deshalb einen anderen Aufbau als der Rest der Südsteiermark. Was daraus wurde, sind extrem karge, kalkhaltige Böden - nach Darstellung des Weinguts vergleichbar mit denen im Burgund und in dieser Form in Österreich einzigartig. Das erklärt die Sortenwahl: Am Pössnitzberg stehen Chardonnay und Sauvignon Blanc, also genau die beiden Sorten, die auch dort gross werden, wo diese Böden herkommen.
Dazu kommt das Klima. Die Hänge werden nicht von der Mur beeinflusst, sondern von einem näher gelegenen Fluss jenseits der Grenze, was für grosse Unterschiede zwischen Tag- und Nachttemperaturen sorgt.
Ein Terroir, sieben Rieden
Der Pössnitzberg ist einheitlich geprägt, aber keine Monotonie - er besteht aus mehreren Hügelketten mit leichten, vor allem klimatischen Unterschieden. Deshalb sind die Parzellen in eigene Rieden unterteilt, und alle davon sind als Grosse STK Ried klassifiziert:
| Ried | STK-Stufe | Sorten |
|---|---|---|
| Pössnitzberg | Grosse STK Ried | Chardonnay, Sauvignon Blanc |
| Pössnitzberg Alte Reben | Grosse STK Ried | Chardonnay, Sauvignon Blanc |
| Pössnitzberger Kapelle | Grosse STK Ried | Chardonnay, Sauvignon Blanc |
| Pössnitzberger Sorgenbrecher | Grosse STK Ried | Sauvignon Blanc |
| Krepskogel | Erste STK Ried | Gelber Muskateller |
| Jägerberg | Erste STK Ried | Weissburgunder, Grauburgunder |
| Poharnig | Erste STK Ried | Sauvignon Blanc |
| Saffran | STK Ried | Chardonnay |
Dass ein Betrieb vier Grosse STK Rieden an einem einzigen Berg hat, ist unter den zwölf Steirischen Terroir- und Klassikweingütern die Ausnahme. Der Ortswein aus Leutschach kommt dagegen vom Opok, dem steirischen Kalkmergel.
Keine Reinzuchthefen
Bewirtschaftet wird ausschliesslich biologisch, zertifiziert nach Bio Austria, mit naturnahem Bodenmanagement und Handarbeit in den Steillagen.
Konsequent ist vor allem eine Entscheidung im Keller: Die Gärung erfolgt ausnahmslos mit eigenen Weingartenhefen. Reinzuchthefen kommen nicht zum Einsatz - die Begründung des Hauses ist, dass sich Herkünfte nachweislich anhand ihrer Mikroorganismen unterscheiden lassen und genau daraus die gebietstypischen Aromen entstehen.
Patrizia Sabathi formuliert den Anspruch dahinter so: "Wie wir unsere Weingärten bewirtschaften ist nur ein Spiegelbild dessen, was wir uns selbst und einander antun."
Was die Weine kosten
Stand September 2026 im Onlineshop, Mindestbestellmenge sechs Flaschen:
| Stufe | Beispiel | Preis |
|---|---|---|
| Gebietswein | Sabathini, Welschriesling | je 11,00 € |
| Gebietswein | Weissburgunder | 13,00 € |
| Gebietswein | Gelber Muskateller | 15,50 € |
| Gebietswein | Sauvignon Blanc | 16,50 € |
| Ortswein Leutschach | Chardonnay, Sauvignon Blanc | je 19,00 € |
| Erste STK Ried | Ried Krepskogel, Ried Jägerberg Weissburgunder | je 22,00 € |
| STK Ried / Erste STK Ried | Ried Saffran, Ried Poharnig, Ried Jägerberg Grauburgunder | je 25,00 € |
| Grosse STK Ried | Ried Pössnitzberg Chardonnay bzw. Sauvignon Blanc | je 38,00 € |
| Grosse STK Ried | Ried Pössnitzberg Alte Reben | je 60,00 € |
| Grosse STK Ried | Kapelle und Sorgenbrecher | je 110,00 € |
| Sekt | Gelber Muskateller Brut, Brut Rosé | je 23,00 € |
Die drei Spitzenweine zu 110 Euro werden über Subskription vergeben. Auch der Pinot Noir liegt in dieser Preisklasse.
Winzer des Jahres 2016
Die wichtigste Auszeichnung kam bei der VieVinum in der Wiener Hofburg: Am 6. Juni 2016 kürte Falstaff Erwin Sabathi zum Winzer des Jahres. Ausschlaggebend war unter anderem sein Händchen für Chardonnay - eine Sorte, die in der Südsteiermark meist als Morillon im Schatten des Sauvignon Blanc steht.
Im Gault&Millau Weinguide 2026 steht der Betrieb bei vier Trauben. Am besten bewertet ist der Sauvignon Blanc Ried Pössnitzberger Kapelle 2021 mit 96 Punkten, der Chardonnay von derselben Ried folgt mit 95.
Besuch
Die Adresse ist Pössnitz 48, 8463 Leutschach an der Weinstrasse. Geöffnet ist Montag bis Freitag von 10 bis 12 und von 13 bis 16.30 Uhr; Verkostungen und Kellerführungen nach Vereinbarung. Der Verkostungsraum ist barrierefrei.
Von Graz sind es rund 55 Kilometer nach Süden, die slowenische Grenze liegt wenige Kilometer entfernt. Leutschach ist auch der Ort, in dem Polz seine Weinflächen bei der Neuordnung 2020 abgegeben hat. Die übrigen Nachbarn der Region - Tement, Gross und der Sattlerhof - liegen ein Stück weiter östlich in der Südsteiermark.
FAQ - Häufige Fragen zum Weingut Erwin Sabathi
Wo liegt das Weingut Erwin Sabathi?
In Leutschach an der Weinstrasse in der Südsteiermark, Adresse Pössnitz 48, 8463 Leutschach. Von Graz sind es rund 55 Kilometer.
Wie gross ist das Weingut Erwin Sabathi?
39 Hektar, davon 23 Hektar am Pössnitzberg. Bepflanzt ist die Fläche fast ausschliesslich mit weissen Sorten.
Ist Erwin Sabathi dasselbe Weingut wie Hannes Sabathi?
Nein. Es sind zwei eigenständige Betriebe: Erwin Sabathi in Leutschach und Hannes Sabathi in Gamlitz. Beide sind Mitglied bei den Steirischen Terroir- und Klassikweingütern, was die Verwechslung begünstigt.
Was ist der Pössnitzberg?
Der Hausberg des Weinguts und die südlichste Weinlage der Steiermark. Der Name kommt vom slawischen pesek für Sand. Die Böden sind extrem karg und kalkhaltig; das Weingut bewirtschaftet dort 23 Hektar und ist nach eigenen Angaben fast alleiniger Bewirtschafter.
Welche Rieden hat Erwin Sabathi als Grosse STK Ried?
Alle vier am Pössnitzberg: Pössnitzberg, Pössnitzberg Alte Reben, Pössnitzberger Kapelle und Pössnitzberger Sorgenbrecher.
Ist Erwin Sabathi ein Biobetrieb?
Ja, zertifiziert nach Bio Austria. Vergoren wird ausnahmslos mit eigenen Weingartenhefen, Reinzuchthefen kommen nicht zum Einsatz.
Wann war Erwin Sabathi Winzer des Jahres?
2016, verliehen von Falstaff am 6. Juni bei der VieVinum in der Wiener Hofburg.
Was kostet ein Wein von Erwin Sabathi?
Die Gebietsweine beginnen bei 11 Euro, der Ortswein aus Leutschach liegt bei 19 Euro. Die Rieden vom Pössnitzberg kosten 38 Euro, als Alte Reben 60 Euro; Kapelle und Sorgenbrecher liegen bei 110 Euro und werden über Subskription vergeben.


