Weinernte 2026 in Österreich: das Minus je Weinbaugebiet
So wenig Wein wie seit 2010 nicht: Mittelburgenland und Weinviertel verlieren rund ein Drittel, die Steiermark liegt über dem Schnitt.
1,7 Millionen Hektoliter - ein Viertel unter dem Schnitt
1,7 Millionen Hektoliter Wein erwartet der Österreichische Weinbauverband aus der Ernte 2026. Präsident Johannes Schmuckenschlager hat die Schätzung am 10. September bei der Ernte-Pressekonferenz in Wien vorgelegt: 28 Prozent weniger als im Schnitt der Jahre 2021 bis 2025, so wenig wie zuletzt 2010. Gegenüber dem Vorjahr fehlen rund 860.000 Hektoliter. 2025 hatte Österreich 2,56 Millionen Hektoliter geerntet, 11 Prozent über dem Fünfjahresschnitt.
Statistik Austria kam in ihrer Vorschätzung vom 31. August auf 1,77 Millionen Hektoliter, ein Minus von 25 Prozent. Davon entfallen 1,26 Millionen Hektoliter auf Weißwein (minus 24 Prozent) und 508.000 auf Rotwein (minus 27 Prozent). Je Hektar ertragsfähiger Rebfläche kommen im Landesschnitt 42 Hektoliter zusammen. Im Vorjahr waren es 60,7.
„Die extreme Trockenheit hat deutliche Spuren hinterlassen. Die Beeren sind vielfach sehr klein", sagte Schmuckenschlager. Kleine Beeren geben weniger Saft. Gelesen wurde entsprechend früh, Anfang September lief die Hauptlese in Niederösterreich, der Steiermark und Wien bereits voll.
Beide Werte sind Schätzungen. Die endgültige Menge ermittelt Statistik Austria mit Stichtag 30. November und veröffentlicht sie im Februar, für die Ernte 2025 war das der 20. Februar 2026.
Das Minus je Weinbaugebiet
Hinter dem Landesschnitt liegen Gebiete, die kaum etwas verlieren, und solche, denen mehr als ein Drittel fehlt. Zwischen dem Mittelburgenland und der Weststeiermark klaffen 74 Prozentpunkte. In 12 der 16 Gebiete liegt die geschätzte Menge unter dem Fünfjahresschnitt, am tiefsten im Burgenland und im Weinviertel.
| Gebiet | Ø 2021-2025 (hl) | 2026, Vorschätzung (hl) | Veränderung | hl je Hektar 2026 |
|---|---|---|---|---|
| Mittelburgenland | 115.394 | 70.372 | -39 % | 36,8 |
| Neusiedlersee | 332.918 | 217.227 | -35 % | 38,1 |
| Weinviertel | 872.784 | 589.375 | -32 % | 45,0 |
| Kremstal | 145.326 | 100.347 | -31 % | 44,1 |
| Wagram | 127.499 | 91.218 | -28 % | 38,0 |
| Kamptal | 166.679 | 131.179 | -21 % | 39,6 |
| Wien | 24.803 | 19.906 | -20 % | 29,5 |
| Traisental | 46.005 | 38.778 | -16 % | 47,0 |
| Leithaberg, Rosalia | 118.495 | 104.400 | -12 % | 38,6 |
| Thermenregion | 62.698 | 59.715 | -5 % | 35,0 |
| Wachau | 70.397 | 67.595 | -4 % | 55,5 |
| Carnuntum | 36.269 | 35.197 | -3 % | 42,9 |
| Südsteiermark | 118.615 | 120.175 | +1 % | 45,2 |
| Vulkanland Steiermark | 67.378 | 71.786 | +7 % | 43,8 |
| Eisenberg | 15.379 | 16.741 | +9 % | 36,0 |
| Weststeiermark | 23.378 | 31.529 | +35 % | 50,4 |
| Österreich | 2.344.746 | 1.766.388 | -25 % | 42,0 |
Quelle: Statistik Austria, Weinernte 2026 Vorschätzung (Stand August) und endgültige Ergebnisse 2021 bis 2025. Das Burgenland ist seit 2016 ein einziges Weinbaugebiet, die Statistik weist die gebräuchlichen Teilgebiete weiter getrennt aus. Österreich ohne die kleinen Weinbauflächen im Bergland.
Weinviertel: das halbe Minus aus einem Gebiet
Das Weinviertel bewirtschaftet 13.086 der 42.044 Hektar ertragsfähiger Rebfläche, fast ein Drittel. Laut Vorschätzung kommen dort 589.375 Hektoliter aus den Weingärten, rund 283.000 weniger als im Schnitt. Das ist fast die Hälfte des österreichweiten Rückgangs. Der Hektarertrag sinkt von 66,4 Hektolitern im Schnitt der Jahre 2021 bis 2025 auf 45. Gegenüber 2025 beträgt das Minus 40 Prozent, genau die Größenordnung, die der Weinbauverband für das Gebiet nennt.
Rund die Hälfte der Weinviertler Rebfläche trägt Grünen Veltliner, knapp vier von fünf geschätzten Hektolitern sind Weißwein. In den Bezirken fallen die Schätzungen noch deutlicher aus. Weinbauberater Daniel Hugl rechnete im Bezirk Mistelbach Ende August mit 30 bis 50 Prozent weniger, zusätzlich belastet durch die Rebzikade. Im Bezirk Korneuburg sprach Josef Stumvoll, Obmann des Bezirksweinbauverbands, von bis zu 50 Prozent Ausfall. Mit der Lese auf seinen 1,5 Hektar in Enzersfeld war er nach dem ersten Septemberwochenende fertig.
Im übrigen Niederösterreich reicht die Spanne weit. Das Kremstal verliert 31 Prozent, dort kam in der Nacht auf den 27. April ein Spätfrost dazu. Der Wagram liegt 28, das Kamptal 21 Prozent unter dem Schnitt. Wachau, Thermenregion und Carnuntum kommen dagegen mit 3 bis 5 Prozent davon, und die Wachau erreicht mit 55,5 Hektolitern je Hektar den höchsten Wert aller Gebiete.
Burgenland: minus 39 Prozent im Mittelburgenland
Das Burgenland kommt laut Vorschätzung auf 408.740 Hektoliter, 30 Prozent unter dem Schnitt. Mit dieser Größenordnung rechneten die burgenländischen Winzer schon Ende August, bei einem Lesebeginn fast zwei Wochen vor dem Vorjahr. Andreas Liegenfeld, Präsident des burgenländischen Weinbauverbands, beschrieb die Rebstöcke damals als großteils noch grün und gesund.
Am härtesten trifft es das Mittelburgenland mit minus 39 Prozent, dem größten Rückgang aller Gebiete. Auf 1.756 seiner 1.914 Hektar wachsen rote Sorten, allen voran Blaufränkisch. Das Gebiet Neusiedlersee verliert 35 Prozent, Leithaberg und Rosalia verlieren 12. Eisenberg im Südburgenland liegt mit 16.741 Hektolitern sogar 9 Prozent über seinem Schnitt.
Am empfindlichsten sind Junganlagen, deren Wurzeln noch nicht tief genug reichen. In Donnerskirchen berichtete Winzer Sepp Mayer dem ORF von Ausfällen bis zu 100 Prozent in jungen Weingärten, während ältere Anlagen weniger litten.
Wien: der niedrigste Hektarertrag
Wien erntet laut Vorschätzung 29,5 Hektoliter je Hektar, so wenig wie kein anderes Gebiet. 2025 waren es 44,7. Auf 675 Hektar ergibt das 19.906 Hektoliter, 20 Prozent weniger als im Fünfjahresschnitt und ein Drittel weniger als im Vorjahr. Bei der Eröffnung der Wiener Weinlese Anfang September sprach Thomas Podsednik vom Weingut Mayer am Pfarrplatz von 30 bis 40 Prozent weniger Wein im Keller. Gelesen wurde auch hier rund zwei Wochen früher als üblich.
Warum die Steiermark über dem Schnitt liegt
Die Steiermark ist die Ausnahme. Mit 223.490 Hektolitern liegt sie laut Vorschätzung 7 Prozent über ihrem Fünfjahresschnitt, die Weststeiermark sogar 35 Prozent.
Ein Teil der Erklärung steckt im Vergleichswert. Der steirische Schnitt enthält zwei schwache Jahre: 2023 mit 190.663 Hektolitern und 2024 mit 159.247, als Spätfröste Ende April vor allem Gebiete im Südwesten der Steiermark trafen. Gegenüber 2025 verliert auch die Steiermark 9 Prozent, die Südsteiermark 13.
Dazu passt die Benotung der Traubenentwicklung, die Statistik Austria in der Vorschätzung von 1 (sehr gut) bis 5 (schlecht) vergibt. Die Steiermark erhält 1,9 für Weiß- und 1,7 für Rotwein, die besten Werte aller Bundesländer. Österreich insgesamt liegt bei 3,0 und 2,8, das Kamptal beim Weißwein bei 3,7.
Früh gelesen wird trotzdem. Mitte August rechneten Betriebe in der Südsteiermark laut ORF Steiermark teils mit einem Lesebeginn Ende August statt im September.
2010, 2014, 2016, 2024, 2026: die kleinen Jahrgänge
Weniger als zwei Millionen Hektoliter hat Österreich seit 2001 nur in fünf Jahren geerntet, 2026 eingerechnet. Das zeigt die Zeitreihe von Statistik Austria.
| Jahr | Ernte | Was die Menge drückte |
|---|---|---|
| 2010 | 1,737 Mio. hl | nasskalte Blüte mit Verrieselung, viel Regen, wenig Sonne |
| 2014 | 1,999 Mio. hl | nasser Mai, sonnenarmer August, Fäulnis |
| 2016 | 1,953 Mio. hl | Frostnächte vom 26. bis 29. April, vor allem in Steiermark und Burgenland |
| 2024 | 1,871 Mio. hl | Spätfröste Ende April, Hitze und Trockenheit im Sommer |
| 2026 | 1,70 bis 1,77 Mio. hl (Schätzung) | Trockenheit und Hitze |
2010 und 2014 war es zu nass, 2016 kam der Frost. In den beiden jüngsten kleinen Jahren fehlte dagegen Wasser, 2024 zusammen mit Spätfrost, 2026 vor allem durch die Trockenheit. Zwei der drei kleinsten Ernten seit 2001 fallen damit in die letzten drei Jahre.
Die Ernte 2010 lag laut Österreich Wein deutlich unter dem damaligen Inlandskonsum von rund 2,5 Millionen Hektolitern. Und sie zeigte ein Muster, das 2026 wiederkehrt, wenn auch aus anderem Grund: Die Steiermark kam mit rund 12 Prozent Einbußen davon, während anderswo mehr als 40 Prozent fehlten.
Wird österreichischer Wein jetzt knapp?
Wie ein kleiner Jahrgang aufgefangen wird, hat 2024 gezeigt. Nach der Ernte von 1,87 Millionen Hektolitern standen im Weinwirtschaftsjahr 2024/25 laut Versorgungsbilanz von Statistik Austria 2,4 Millionen Hektoliter Wein im Inland zur Verfügung, 25,5 Liter pro Kopf. Importiert wurden 803.000 Hektoliter, exportiert 644.000, die heimische Produktion deckte 77 Prozent des Bedarfs. Die Lücke schloss der Keller: Der Weinbestand sank vom 31. Juli 2024 bis zum 31. Juli 2025 um 394.000 Hektoliter auf 2,65 Millionen, den niedrigsten Stand seit sieben Jahren.
2026 fällt die Ernte noch kleiner aus. Rechnet man mit den Mengen von 2024/25 weiter, also 2,4 Millionen Hektolitern Verbrauch, 803.000 Import und 644.000 Export, müssten zu einer Ernte von 1,77 Millionen Hektolitern rund 470.000 Hektoliter aus dem Bestand kommen, bei 1,7 Millionen rund 540.000. Die große Ernte 2025 hat nach derselben Rechnung rund 320.000 Hektoliter in die Keller zurückgebracht. Wie viel am 31. Juli 2026 tatsächlich lagerte, veröffentlicht Statistik Austria voraussichtlich im Februar 2027.
Weißwein und Rotwein stehen dabei sehr unterschiedlich da. Am 31. Juli 2025 lagerten 1,42 Millionen Hektoliter Weißwein, nur wenig mehr als die geschätzte Weißweinernte 2026 von 1,26 Millionen. Vom Rotwein lagen 1,23 Millionen Hektoliter im Keller, fast das Zweieinhalbfache der Rotweinernte 2026 mit 508.000 Hektolitern. Enger wird es also beim Weißwein. Wer für ein Fest oder einen Betrieb größere Mengen Grünen Veltliner aus dem Weinviertel braucht, fragt beim Jahrgang 2026 besser früh.
Was die kleine Ernte für die Krisendestillation bedeutet
Ende Juli sprach sich das Präsidium des Weinbauverbands dafür aus, rund 10 Millionen Liter Rotwein der Jahrgänge 2025 und älter zu Industriealkohol zu brennen, bezahlt aus der EU-Agrarkrisenreserve. Laut ORF Niederösterreich sollte vor einem Antrag die Herbsternte abgewartet werden, um zu sehen, ob der Überschuss in dieser Höhe bestehen bleibt. Am 20. August hielt Schmuckenschlager fest, eine Krisendestillation dürfe kein Selbstzweck sein. Zuerst sollen Lagerbestände, Preise, Absatz und Export gemeinsam mit dem zuständigen Bundesministerium analysiert werden.
Die Vorschätzung liefert dazu eine Zahl. Die Rotweinernte 2026 liegt 183.709 Hektoliter unter dem Fünfjahresschnitt, das sind 18,4 Millionen Liter und fast doppelt so viel, wie destilliert werden sollten. Am stärksten fällt der Rückgang im Mittelburgenland aus, jener Gegend, in der laut Vinaria gezielte Hilfe für Rotweingenossenschaften im Gespräch war.
Erledigt ist die Krisendestillation damit nicht automatisch. Sie zielt auf ältere Weine, die sich am Markt nicht mehr verkaufen lassen, und die liegen bereits im Keller. Ob eine kleinere Ernte 2026 für sie Abnehmer schafft, entscheidet sich im Verkauf der kommenden Monate.
Was vom Jahrgang 2026 zu erwarten ist
Schmuckenschlager erwartet aus den kleinen Beeren „besonders aromatische und ausdrucksstarke Weine", weil sich die wertgebenden Inhaltsstoffe konzentrieren. Aus den Regionen klingt es ähnlich, mit Unterschieden nach Farbe. In Donnerskirchen rechneten die Mayers beim Weißwein mit durchwachsener, beim Rotwein mit hoher Qualität. In Wien sagte Norbert Walter, Präsident der Landwirtschaftskammer Wien und selbst Winzer, was in den Keller komme, werde „klein, aber fein".
Es gibt auch Einschränkungen. Aus Junganlagen meldete der Weinbauverband in seiner Aussendung vom 20. August Notreife und teils welke Beeren. Und die Benotung der Traubenentwicklung durch Statistik Austria fällt österreichweit mit 3,0 für Weiß- und 2,8 für Rotwein mittelmäßig aus, nach jeweils 1,6 im Jahr davor.
Den nächsten Vergleich liefert 2024, ebenfalls klein und trocken. Österreich Wein beschrieb die Weißweine jenes Jahres als ausgereift mit gemäßigter Säure und die Rotweine als tiefdunkel und konzentriert. Das passt zur Mechanik der Trockenheit: In kleinen Beeren verschiebt sich das Verhältnis von Schale zu Saft, Rotweine gewinnen Farbe und Tannin, Weißweine verlieren leicht an Säure.
FAQ - Häufige Fragen zur Weinernte 2026
Wie groß ist die Weinernte 2026 in Österreich?
Der Österreichische Weinbauverband schätzt 1,7 Millionen Hektoliter, 28 Prozent unter dem Schnitt der Jahre 2021 bis 2025. Statistik Austria kam in der Vorschätzung vom 31. August auf 1,77 Millionen Hektoliter. 2025 waren es 2,56 Millionen.
Warum fällt die Weinernte 2026 so klein aus?
Wegen Trockenheit und Hitze. Die Beeren sind klein und geben wenig Saft, junge Weingärten fallen teils ganz aus. Im Kremstal kam in der Nacht auf den 27. April ein Spätfrost dazu.
Welche Weinbaugebiete sind am stärksten betroffen?
Gegenüber dem Fünfjahresschnitt verlieren laut Vorschätzung von Statistik Austria das Mittelburgenland 39, das Gebiet Neusiedlersee 35, das Weinviertel 32 und das Kremstal 31 Prozent. Die Steiermark liegt 7 Prozent über ihrem Schnitt, Wachau, Thermenregion und Carnuntum nur 3 bis 5 Prozent darunter.
Wann war die Weinernte zuletzt so klein?
2010 mit 1,737 Millionen Hektolitern. Bis 2026 war 2024 mit 1,871 Millionen Hektolitern die zweitkleinste Ernte seit 2001, damals nach Spätfrost und Trockenheit.
Wird österreichischer Wein jetzt knapp?
Beim Rotwein kaum: Am 31. Juli 2025 lagerten 1,23 Millionen Hektoliter, fast das Zweieinhalbfache der geschätzten Rotweinernte 2026. Beim Weißwein wird es enger, dort lag der Bestand mit 1,42 Millionen Hektolitern nur knapp über der erwarteten Ernte. Nach der kleinen Ernte 2024 sank der gesamte Weinbestand um 394.000 Hektoliter.
Wie wird der Jahrgang 2026?
Der Weinbauverband erwartet aromatische, ausdrucksstarke Weine, weil sich in den kleinen Beeren die Inhaltsstoffe konzentrieren. Winzer aus Donnerskirchen erwarten beim Rotwein mehr als beim Weißwein. Der ebenfalls trockene Jahrgang 2024 brachte ausgereifte Weißweine mit gemäßigter Säure und konzentrierte Rotweine.
Wann steht die endgültige Erntemenge fest?
Statistik Austria ermittelt die Weinernte mit Stichtag 30. November und veröffentlicht das endgültige Ergebnis im Februar des Folgejahres. Für 2025 war das der 20. Februar 2026.


