Weinregion Weststeiermark - das Schilcherland auf Gneis
Österreichs kleinstes Weinbaugebiet: rund 660 Hektar auf Gneis und Glimmerschiefer, vier Ortsweingemeinden und Sonderregeln für den…
Das kleinste Weinbaugebiet Österreichs
Mit rund 660 Hektar ist die Weststeiermark nach Angaben der Österreich Wein Marketing das kleinste der drei steirischen Weinbaugebiete - und eines der kleinsten Österreichs überhaupt. Zum Vergleich: Das Weinviertel hat mehr als das Zwanzigfache.
Die Rebflächen ziehen sich in einem schmalen Band von Ligist im Norden bis Eibiswald im Süden, entlang der Ausläufer von Koralpe und Reinischkogel und weiter Richtung slowenische Grenze. Die höchsten Weingärten liegen auf bis zu 600 Metern Seehöhe.
Zusammengehalten wird das Gebiet von einem einzigen Wein: dem Schilcher, dem Roséwein aus Blauem Wildbacher. Kaum eine andere Weinregion Europas ist so vollständig mit einer Sorte identifiziert.
Gneis, Glimmerschiefer, kein Kalk
Der geologische Unterschied zur Südsteiermark ist grundlegend. Dort liegen Sande, Mergel und kalkhaltige Sedimente ehemaliger Meere. Hier steht das kristalline Grundgebirge: Gneis und Glimmerschiefer, das alte Gestein der Zentralalpen.
Diese Böden sind sauer, kalkfrei und speichern Wasser schlecht. Sie erwärmen sich rasch und geben die Wärme rasch wieder ab. Für den Blauen Wildbacher, der ohnehin spät reift und viel Säure behält, ist das die entscheidende Voraussetzung - auf Kalk würde er anders schmecken.
Dazu kommt das illyrische Klima: mediterrane Einflüsse aus dem Süden, hohe Niederschläge, warme Tage und kühle Nächte. Die Kombination aus viel Regen und wenig speicherfähigem Boden macht den Weinbau hier arbeitsintensiv. Die Steilhänge tun ihr Übriges.
Ein Erzherzog als Weinbauförderer
Dass in der Weststeiermark überhaupt planmässig Wein angebaut wird, geht wesentlich auf Erzherzog Johann (1782 bis 1859) zurück. Er förderte die Schilcher-Produktion, um der wirtschaftlich schwachen Region eine zusätzliche Grundlage zu geben - dieselbe Motivation, die ihn zur Gründung zahlreicher steirischer Institutionen brachte.
Die Bezeichnung Schilcher selbst ist seit 1976 geschützt und darf nur für Weine aus Blauem Wildbacher verwendet werden.
Erst Schilcherland DAC, dann Weststeiermark DAC
Die Herkunftsgeschichte des Gebiets ist ungewöhnlich kurzlebig. Im Oktober 2017 wurde die Region zunächst als Schilcherland DAC verordnet - als damals zehntes DAC-Gebiet Österreichs, mit 546 Hektar plus der Katastralgemeinde Obergreith.
Ein Jahr später wurde das gesamte steirische System neu aufgesetzt. Mit den drei parallelen Verordnungen für Südsteiermark DAC, Vulkanland Steiermark DAC und Weststeiermark DAC ging die kurzlebige Schilcherland-Bezeichnung im heutigen Namen auf.
Der Grundgedanke des neuen Systems steht in der Broschüre der Landwirtschaftskammer Steiermark unmissverständlich: Weg vom germanischen Rebsortenmarketing, hin zum romanischen Herkunftsmarketing. Die drei Verordnungen sind systematisch identisch aufgebaut, die Unterschiede liegen bei den zugelassenen Sorten und den Verkaufsterminen.
Was die DAC-Verordnung vorschreibt
Die Verordnung lässt neun Sorten zu: Blauer Wildbacher (ausgebaut als Schilcher), Welschriesling, Weissburgunder, Morillon, Grauburgunder, Riesling, Muskateller, Sauvignon Blanc und Traminer.
Die wichtigsten Regeln:
- Handlese ist Pflicht - auf allen drei Stufen, wie in den anderen steirischen Gebieten auch.
- Der Restzucker darf maximal 4,0 Gramm je Liter betragen. Bei Riesling und Traminer muss "trocken" auf dem Etikett stehen.
- Abgefüllt werden darf nur in Glasflaschen. Die Formate 1,0 Liter und 2,0 Liter sind ausdrücklich untersagt.
- Für eine Reserve gilt eine zusätzliche Reifezeit von 18 Monaten, beim Schilcher von 12 Monaten.
- Beim Gebietswein darf die staatliche Prüfnummer frühestens am 15. Jänner beantragt werden, bei Schilcher und Welschriesling schon ab 1. Dezember. Der Verkauf startet für die übrigen Sorten am 1. März.
- Bei Ortsweinen verschiebt sich alles nach hinten: Antrag ab 1. April, beim Schilcher ab 1. Februar - Verkauf frühestens am 1. Mai des Folgejahres.
Die frühere Freigabe des Schilchers ist kein Zugeständnis an die Qualität, sondern eine Anerkennung der Realität: Schilcher wird jung getrunken, und die Nachfrage ist im Frühjahr am grössten.
Vier Ortsweingemeinden
Auf der Ortswein-Stufe sind vier Herkünfte zugelassen: Ligist, Stainz, Deutschlandsberg und Eibiswald. Umliegende Gemeinden werden diesen vier zugeordnet.
Das ist der Kern dessen, was das System als Ortsappellation nach romanischem Vorbild bezeichnet - und es war 2018 eine österreichische Premiere. Bis dahin durfte jede Weinbaugemeinde ihren Namen aufs Etikett schreiben. Seither dürfen es nur noch die bekannten Weinbauorte, die umliegenden Gemeinden werden ortsübergreifend integriert.
Die Konsequenzen sind konkreter, als es klingt:
- Ein bezeichnungsunschädlicher Verschnitt von 15 Prozent ist zulässig, aber nur mit Wein aus angrenzenden Gemeinden - nicht aus dem ganzen Gebiet.
- Beim Ortswein muss das Schriftgrössenverhältnis von Gemeinde zu Rebsorte mindestens 1,5 zu 1 betragen. Der Ort steht also grösser auf dem Etikett als die Sorte.
- Die Rebsorte darf generell nicht grösser angegeben werden als die Gebietsbezeichnung.
- Die früheren steirischen Grosslagen wurden mit Inkrafttreten der Verordnungen obsolet und aus der Grosslagenverordnung gestrichen.
Wer verstehen will, warum steirische Etiketten heute anders aussehen als vor 2018, findet die Antwort in diesen drei Absätzen. Wein Steiermark erklärt das System der Ortsweine im Detail.
Nicht nur Schilcher
Die Weststeiermark wird auf den Schilcher reduziert, und das ist nur zur Hälfte gerechtfertigt. Neben dem Blauen Wildbacher stehen hier Sauvignon Blanc, Weissburgunder, Welschriesling und Morillon - dieselben Sorten wie in der Südsteiermark, auf einem völlig anderen Untergrund.
Die Weissweine der Region sind wenig bekannt, weil sie im Schatten der Regionalspezialität stehen und weil die Mengen klein sind. Wer die Gegend besucht, sollte sie trotzdem probieren: Auf kalkfreiem Gneis schmeckt ein Sauvignon Blanc anders als auf südsteirischem Mergel.
Alles zur Sorte selbst, zu den Schilcher-Typen vom stillen Wein bis zum Frizzante und zur richtigen Trinktemperatur steht auf der Seite zum Blauen Wildbacher.
Die Schilcherweinstrasse
Die Schilcherweinstrasse beginnt beim Blumenmarkt in Ligist und führt über Gundersdorf und St. Stefan ob Stainz, Langegg und Greisdorf nach Stainz, weiter nach Deutschlandsberg, Aichegg, Bad Schwanberg und Wies bis nach Eibiswald.
Die Route verbindet die Buschenschänken der Region, in denen der Schilcher zur steirischen Brettljause ausgeschenkt wird. Für Radfahrer und Wanderer ist die Gegend wegen der Höhenunterschiede anspruchsvoller als das flachere Umland - die Koralpe beginnt hier.
Von Graz aus sind Ligist und Stainz in rund 30 bis 40 Minuten erreichbar, Eibiswald liegt etwa eine Stunde entfernt.
FAQ - Häufige Fragen zur Weststeiermark
Wie gross ist das Weinbaugebiet Weststeiermark?
Rund 660 Hektar nach Angaben der Österreich Wein Marketing. Damit ist es das kleinste der drei steirischen Gebiete und eines der kleinsten Österreichs.
Seit wann gibt es Weststeiermark DAC?
Seit 2018, gemeinsam mit Südsteiermark DAC und Vulkanland Steiermark DAC. Davor war die Region ab Oktober 2017 kurzzeitig als Schilcherland DAC verordnet.
Welche Rebsorten sind in der Weststeiermark DAC zugelassen?
Blauer Wildbacher (als Schilcher ausgebaut), Welschriesling, Weissburgunder, Morillon, Grauburgunder, Riesling, Muskateller, Sauvignon Blanc und Traminer.
Welche Orte dürfen Ortswein-Bezeichnung führen?
Ligist, Stainz, Deutschlandsberg und Eibiswald. Die umliegenden Gemeinden werden diesen vier Orten zugeordnet.
Warum sind die Böden in der Weststeiermark anders als in der Südsteiermark?
Weil hier das kristalline Grundgebirge ansteht - Gneis und Glimmerschiefer, sauer und kalkfrei. Die Südsteiermark liegt auf Sanden, Mergeln und kalkhaltigen Meeressedimenten.
Wann kommt der Schilcher in den Verkauf?
Früher als die übrigen DAC-Weine. Die staatliche Prüfnummer darf für Schilcher schon ab 1. Dezember des Erntejahres beantragt werden, beim Ortswein ab 1. Februar.
Was bedeutet die Reserve in der Weststeiermark?
Eine zusätzliche Reifezeit von 18 Monaten, beim Schilcher von 12 Monaten, bevor der Wein verkauft werden darf.
Wo verläuft die Schilcherweinstrasse?
Von Ligist über St. Stefan ob Stainz, Stainz, Deutschlandsberg, Bad Schwanberg und Wies bis nach Eibiswald.


