Wie trocken 2026 wirklich ist

Schon Ende April fehlten in Österreich rund 30 Prozent der üblichen Niederschlagsmenge, umgerechnet etwa 70 Liter pro Quadratmeter. Besonders markant war das Defizit in Salzburg, Kärnten, Oberösterreich, im westlichen Niederösterreich und in der Obersteiermark. Im Lungau fiel weniger als die Hälfte der üblichen Menge, im Raum Linz rund 50 Prozent.

Das Jahr setzt eine Reihe fort. 2025 lag insgesamt 15 Prozent unter dem Schnitt, mit extremer Dürre von Oktober bis Dezember. Im europäischen Bild steht Österreich dabei noch vergleichsweise gut da: Bei einer Auswertung von Copernicus-Daten, die Correctiv.Europe und die Wiener Zeitung im Juni 2026 veröffentlicht haben, liegt Österreich unter 35 europäischen Regionen auf Rang 26 bei mässigen und Rang 28 bei akuten Dürrewarnungen. Zwei Drittel aller europäischen Regionen waren seit 2012 von Dürre betroffen.

Warum alte Rebstöcke besser durchkommen

Reben sind Tiefwurzler. Ein etablierter Stock holt sich Wasser aus Schichten, die Gemüse oder Getreide nie erreichen - deshalb überstehen alte Anlagen Trockenperioden, in denen daneben der Acker verdorrt. Entscheidend sind drei Faktoren:

  • Das Alter der Anlage. Junganlagen in den ersten Standjahren haben das Wurzelwerk noch nicht ausgebildet und brauchen in Trockenjahren Wasser, sonst wachsen sie nicht an.
  • Der Boden. Schwere Lehmböden halten Wasser deutlich besser als sandige oder steinige Lagen. Zwei Weingärten im selben Ort können sich dadurch völlig unterschiedlich verhalten.
  • Die Unterlagsrebe. Europäische Edelsorten wachsen auf amerikanischen Unterlagen, und deren Wahl entscheidet mit über die Trockenheitstoleranz. Trockenheitstolerante Unterlagen sind eine der zentralen Stellschrauben bei Neuanlagen.

Der Lesetermin ist um zwei Monate gewandert

Wie stark sich das Klima verschoben hat, zeigt sich am Kalender. In Perchtoldsdorf in der Thermenregion wird heute im August gelesen statt wie früher Mitte Oktober. Winzerin Katharina Prüfert-Barbach, die 1988 die Weinbauschule abschloss, beschreibt es als die auffälligste Veränderung ihrer Berufszeit.

Diese Verschiebung ist kein österreichisches Phänomen: Die Weinlese 2026 begann europaweit so früh wie noch nie dokumentiert.

Was im Weingarten konkret gemacht wird

Begrünung zwischen den Zeilen. Im Retzer Land läuft seit einigen Jahren das Projekt „Klimafitte mehrjährige Begrünung im Weingarten", getragen von der Klimamodellregion Retzer Land, der Landwirtschaftlichen Fachschule Hollabrunn, der KLAR! Wagram sowie der HBLA Klosterneuburg und der HBLFA Raumberg-Gumpenstein. Getestet wurden drei Saatgutvarianten: eine Kräuter-Leguminosen-Mischung, eine Kleemischung und eine Kräuterkombination, dazu robustes Raygras in den Fahrgassen. Nach fünf Jahren erreicht die artenreiche Mischung rund 70 Prozent Bodendeckung, etwa zwei Drittel der ursprünglich eingesäten Arten sind noch vorhanden. Jährliches Nachsäen entfällt.

Walzen statt mulchen. Wird die Begrünung bei anhaltender Trockenheit gewalzt statt gemäht, knicken die Halme, ohne zerschnitten zu werden. Die liegende Schicht bremst die Verdunstung und verhindert, dass sich der offene Boden auf bis zu 50 Grad aufheizt.

Die Laubwand als Schattenspender. Was früher weggeschnitten wurde, bleibt heute oft stehen: Blätter auf der Sonnenseite schützen die Trauben vor Sonnenbrand. Zu viel Entblätterung in einem Hitzejahr kostet die Ernte.

Tropfbewässerung als Ausnahme, nicht als Regel. Bewässert wird in Österreich punktuell und meist nur in Extremjahren oder in Junganlagen. Wer dafür Wasser aus einem Bach, Fluss oder See entnimmt, braucht eine wasserrechtliche Bewilligung der zuständigen Behörde.

Was die Forschung gerade untersucht

An der HBLA und dem Bundesamt für Wein- und Obstbau Klosterneuburg läuft unter der Leitung von Christian Philipp das Projekt „Headache". Es untersucht nicht Hitze oder Trockenheit einzeln, sondern beides in Kombination - und genau das ist der praxisnahe Fall. Im Fokus stehen die Auswirkungen auf Phenole und Aromastoffe ebenso wie auf Zucker und Säuren, dazu die Frage, wie weit Bewässerung Hitzestress überhaupt abfedern kann.

Der letzte Punkt ist wichtiger, als er klingt. Wasser hilft gegen Trockenstress, aber gegen 38 Grad Lufttemperatur hilft es nur begrenzt. Eine Rebe schliesst bei extremer Hitze ihre Spaltöffnungen und stellt die Photosynthese ein, egal wie feucht der Boden ist.

Was im Glas ankommt

Trockenjahre schmeckt man. Kleine Beeren verschieben das Verhältnis von Schale zu Saft, was bei Rotwein mehr Farbe, Tannin und Extrakt bedeutet. Beim Weisswein ist der Effekt zwiespältiger: Die Zuckerreife kommt schnell, die Säure baut ab, und aus einem Wein, der früher schlank und knackig war, wird leicht ein alkoholreicher, breiter Wein.

Genau hier laufen zwei Entwicklungen gegeneinander. Das Klima drückt den Alkoholgehalt nach oben, während die Nachfrage in Richtung leichterer Weine geht. Winzer reagieren mit früheren Lesezeitpunkten, kühlerer Vergärung, höher gelegenen Lagen und wieder mehr Aufmerksamkeit für spätreifende Sorten. Die Mittel gegen die Trockenheit im Weingarten sind damit auch Mittel gegen ein Stilproblem im Keller.

FAQ - Häufige Fragen zu Trockenheit im Weinbau

Wie trocken war 2026 in Österreich?

Ende April fehlten rund 30 Prozent des üblichen Niederschlags, etwa 70 Liter pro Quadratmeter. Am stärksten betroffen waren Salzburg, Kärnten, Oberösterreich, das westliche Niederösterreich und die Obersteiermark.

Werden Weingärten in Österreich bewässert?

Nur teilweise und meist nur in Extremjahren. Junganlagen brauchen Wasser zum Anwachsen, etablierte Anlagen kommen als Tiefwurzler oft ohne aus. Wasserentnahme aus Oberflächengewässern ist bewilligungspflichtig.

Warum überstehen alte Reben Trockenheit besser?

Weil ihr Wurzelwerk tiefer reicht. Ein etablierter Stock erreicht Wasserschichten, an die junge Pflanzen nicht herankommen. Zusätzlich entscheiden Bodenart und Unterlagsrebe.

Was bringt Begrünung zwischen den Rebzeilen?

Sie speichert Wasser im Boden, bremst Erosion und verhindert Aufheizung. Mehrjährige artenreiche Mischungen erreichen nach einigen Jahren rund 70 Prozent Bodendeckung und müssen nicht jährlich nachgesät werden.

Macht Trockenheit den Wein besser oder schlechter?

Beides ist möglich. Kleine Beeren liefern konzentrierte Rotweine, gleichzeitig steigen Alkoholgehalte und die Säure fällt ab. Der Lesezeitpunkt entscheidet, welche Seite überwiegt.

Hilft Bewässerung gegen Hitze?

Nur begrenzt. Bei extremer Hitze schliesst die Rebe ihre Spaltöffnungen und stellt die Photosynthese ein - unabhängig davon, wie feucht der Boden ist.

Verschiebt sich der Lesezeitpunkt weiter nach vorne?

Bisher ja. In Perchtoldsdorf hat sich die Lese von Mitte Oktober in den August verschoben; europaweit lag der Erntestart 2026 rund zwei Wochen vor dem Üblichen.