Der Markt bewegt sich nach unten

Der Weinabsatz in Österreich sinkt, aber nicht gleichmässig. Im heimischen Handel ging der Absatz in den ersten drei Quartalen 2025 mengenmässig um 5,2 Prozent zurück - während Weisswein, Schaumwein, Rosé und alkoholfreie Varianten die Segmente sind, auf die sich die Betriebe zunehmend konzentrieren. Schwerer Rotwein verliert am stärksten.

Dahinter steht eine Verschiebung im Geschmack, die vor allem jüngere Käufer betrifft. Wo früher 13 bis 15 Volumsprozent als Zeichen von Dichte galten, sind heute 11 bis 12,5 Prozent das, was ein grosser Teil der unter 35-Jährigen sucht. Die Österreich Wein Marketing hat darauf mit der Marke „rot weiss rosé" reagiert, die gezielt die Altersgruppe von 20 bis 35 anspricht.

Wie dringend das ist, zeigt eine einzelne Zahl vom ÖWM-Marketingtag im Jänner 2026: 77 Prozent aller Weinkäufe entfallen auf Menschen ab 55. Eine Branche mit dieser Altersverteilung hat kein Absatzproblem, sondern ein Nachwuchsproblem. Parallel dazu wächst der alkoholfreie Bereich - ohne den klassischen Wein zu ersetzen.

Der Widerspruch zum Klima

Das Problem dabei: Die Nachfrage will weniger Alkohol, das Wetter liefert mehr. Wärme treibt die Zuckerreife, und Zucker wird bei der Gärung zu Alkohol. Ein Grüner Veltliner, der vor dreissig Jahren mit 11,5 Prozent in die Flasche kam, landet unter denselben Lesebedingungen heute leicht bei 13,5.

Winzer arbeiten deshalb gegen den eigenen Jahrgang: früher lesen, kühler vergären, höher gelegene Lagen bevorzugen, spätreifende Sorten wieder ernst nehmen. Die Massnahmen gegen Hitze und Trockenheit im Weingarten sind damit gleichzeitig Massnahmen für einen Stil, der wieder gefragt ist.

Wo „leicht" in Österreich exakt definiert ist

Es gibt eine österreichische Kategorie, die den Alkoholgehalt tatsächlich deckelt: die drei Stilrichtungen der Vinea Wachau.

StufeAlkoholCharakter
Steinfederbis 11,5 % volduftig und leicht
Federspielbis 12,5 % volnuancenreich, charakterstark
Smaragdab 12,5 % volkomplex und langlebig

Alle drei müssen trocken sein, ohne Holzausbau auskommen und ausschliesslich aus der Wachau stammen. Steinfeder ist damit die einzige verbreitete österreichische Bezeichnung, bei der „leicht" nicht Geschmackssache, sondern Vorschrift ist. Zu verwechseln ist das nicht mit den Prädikatsstufen, die vom Zuckergehalt der Trauben ausgehen und in die andere Richtung zeigen.

Was in Österreich unter 12 Prozent bleibt

Grüner Veltliner als Steinfeder oder Klassik. Die leichte Ausbaustufe der Leitsorte, oft mit Pfeffernote, in der Wachau markengeschützt, anderswo als „Klassik" oder Gebietswein.

Welschriesling. Spät reifend, säurebetont, in der Steiermark und im Weinviertel traditionell schlank ausgebaut. Die Sorte, die dem heutigen Stilwunsch von Natur aus entgegenkommt.

Muskateller. Aromatisch, aber gerade in der steirischen Klassik-Variante leicht gebaut - viel Duft bei wenig Gewicht.

Rosé, besonders Schilcher. Der Schilcher aus Blauem Wildbacher in der Weststeiermark ist der säurebetonteste Rosé des Landes. Rosé insgesamt gehört zu den wenigen wachsenden Kategorien.

Frizzante und Perlwein. Kohlensäure ersetzt Körper: Diese Weine liegen häufig zwischen 10 und 11,5 Prozent.

Sturm im Herbst. Der gärende Most hat je nach Stadium deutlich weniger, ist dafür aber nur wenige Tage haltbar.

Alkoholfreie Weine. Der Grenzfall am unteren Ende - entalkoholisiert, mit eigener Technik und eigenem Geschmacksbild.

Woran man sie im Regal erkennt

Der Alkoholgehalt steht auf jedem Etikett, meist klein am unteren Rand oder auf dem Rückenetikett. Drei weitere Hinweise helfen beim Vorsortieren:

  • Der Jahrgang. Kühle Jahre liefern schlankere Weine als heisse. Wer bei derselben Sorte zwei Jahrgänge vergleicht, sieht die Differenz an der Prozentzahl.
  • Das Gebiet. Steiermark und die höheren Lagen des Kamptals liefern tendenziell leichtere Weine als das Burgenland.
  • Die Stufe. Gebietsweine und Klassik-Linien sind leichter gebaut als Reserven und Riedenweine, und sie kosten weniger.

Was man dafür aufgibt

Wenig Alkohol heisst wenig Körper. Ein Wein mit 11 Prozent trägt weniger Extrakt, wirkt kürzer am Gaumen und ist selten lange lagerfähig - er ist auf Frische gebaut und sollte jung getrunken werden. Zu kräftigen Speisen wie Steak oder gereiftem Hartkäse fehlt ihm die Substanz.

Umgekehrt gilt: Zu allem, was leicht, salzig oder säurebetont ist, funktioniert ein schlanker Wein oft besser als ein schwerer. Und ein zweites Glas ist eher drin - was der eigentliche Grund für die Verschiebung im Markt sein dürfte.

FAQ - Häufige Fragen zu leichten Weinen

Was gilt als leichter Wein?

Üblicherweise Weine unter 12 Volumsprozent. Eine gesetzliche Definition gibt es nicht; die Vinea Wachau deckelt Steinfeder aber verbindlich bei 11,5 Prozent.

Welche österreichischen Sorten sind von Natur aus leicht?

Welschriesling, Muskateller in der Klassik-Variante, Grüner Veltliner in der leichten Ausbaustufe und Blauer Wildbacher als Schilcher. Alle vier reifen spät oder behalten viel Säure.

Was ist der Unterschied zwischen Steinfeder, Federspiel und Smaragd?

Der Alkoholgehalt. Steinfeder bis 11,5 Prozent, Federspiel bis 12,5 Prozent, Smaragd darüber. Alle drei sind trocken, ohne Holzausbau und nur aus der Wachau.

Warum haben Weine heute mehr Alkohol als früher?

Weil die Trauben reifer werden. Wärmere Jahre bringen mehr Zucker in die Beere, und Zucker wird bei der Gärung zu Alkohol.

Sind leichte Weine kalorienärmer?

Ja, bei sonst gleichen Werten. Alkohol liefert rund sieben Kilokalorien pro Gramm und ist damit der grösste Kalorienträger im Wein, noch vor dem Restzucker.

Kann man leichte Weine lagern?

Meist nicht lange. Sie sind auf Frische gebaut; ein bis drei Jahre nach dem Jahrgang sind die Regel.

Ist Rosé automatisch leicht?

Nein. Es gibt kräftige Rosés mit über 13 Prozent. Der steirische Schilcher gehört aber zu den konsequent schlanken Vertretern.