US-Zölle auf Wein - was 15 Prozent für Österreich heissen
Seit 7. August 2025 zahlen europäische Weine 15 Prozent Zoll in den USA. Was der zweitwichtigste Exportmarkt für Österreich bedeutet und…
Seit 7. August 2025 gelten 15 Prozent
Europäischer Wein wird beim Import in die USA mit einem Zoll von 15 Prozent belegt. Der Satz trat am 7. August 2025 in Kraft und gilt, bis ein neues Handelsabkommen etwas anderes vorsieht. Wein und Spirituosen waren nicht in der ersten Gruppe der Ausnahmen enthalten, die die EU herausverhandeln konnte - trotz Druck aus Frankreich, Italien und Spanien.
Diese Angaben geben den Stand vom 11. August 2026 wieder. Die Materie ändert sich schnell, und einzelne Sätze wurden in den vergangenen zwei Jahren mehrfach angekündigt, ausgesetzt und wieder eingeführt.
Was Österreich in die USA liefert
Die USA sind nach Deutschland der zweitwichtigste Exportmarkt für österreichischen Wein. Die Österreich Wein Marketing beziffert das Volumen für 2023 so:
- 3,3 Millionen Liter, das sind 5 Prozent der gesamten österreichischen Weinexporte
- 19,8 Millionen Euro Exportwert, also 8,5 Prozent des gesamten Exportwerts
- rund 6 Euro pro Liter Durchschnittspreis
Die Diskrepanz zwischen 5 Prozent der Menge und 8,5 Prozent des Werts ist der eigentliche Punkt. In die USA geht kein Fassware-Geschäft, sondern hochpreisiger Flaschenwein. Ein verlorener Liter in den USA wiegt fast doppelt so schwer wie ein verlorener Liter im Durchschnitt aller Märkte.
Was 15 Prozent konkret kosten
Der Vergleich mit dem regulären Zollsatz macht die Grössenordnung deutlich. Ohne Sonderzölle würden für Stillwein die Meistbegünstigungssätze gelten: 6,3 US-Cent pro Liter, bei Schaumwein 19,8 Cent pro Liter. Diese Sätze sind mengenbezogen und damit bei teurem Wein praktisch vernachlässigbar.
Ein Rechenbeispiel mit dem österreichischen Durchschnittspreis von 6 Euro pro Liter:
| Belastung pro Liter | |
|---|---|
| Meistbegünstigungssatz (Stillwein) | rund 6 Cent |
| Zoll von 15 Prozent | rund 90 Cent |
Aus einem Betrag, der im Rundungsbereich lag, wird ein Kostenblock, der beim Endpreis im US-Regal ankommt. Und weil sich Importeur, Distributor und Händler ihre Marge jeweils auf den erhöhten Einstandspreis rechnen, vervielfacht sich der Effekt entlang der Kette. Die europäische Weinwirtschaft rechnet zusammen mit ungünstigen Wechselkursen mit einer Gesamtbelastung von rund 30 Prozent.
Wie der Verhandlungsstand aussieht
Die EU hat ihren Teil des 2025 geschlossenen Turnberry-Abkommens erfüllt und zum 1. Juli 2026 die Zölle auf hunderte amerikanische Industrie- und Agrarprodukte gestrichen. Im Gegenzug verhandelt die Kommission über Ausnahmen von der 15-Prozent-Marke - für ein Paket, das mit rund 150 Milliarden Euro an EU-Exporten weit über Getränke hinausgeht und Lebensmittel, Maschinen, Chemie und Halbleiter umfasst.
Zum Einordnen: Vor dieser Runde lagen die durchschnittlichen US-Zölle auf europäische Waren bei etwa 3,3 Prozent. Wer die aktuellen Sätze für ein konkretes Produkt nachsehen will, findet die massgeblichen Angaben bei der Wirtschaftskammer, die die Übersicht laufend aktualisiert.
Wie die Branche reagiert
Die ÖWM fährt zweigleisig. In den USA selbst laufen Masterclasses in Washington und an der Westküste, Sommelier-Wettbewerbe und Kooperationen mit Fachmedien und Handelspartnern - die Position soll gehalten werden, auch wenn sie teurer wird.
Parallel läuft die Verbreiterung: ein Veranstaltungsprogramm in Deutschland, der Schweiz, Kanada, Skandinavien, Benelux, Grossbritannien und Asien mit rund 300 beteiligten Weingütern. Als Märkte mit Wachstum gelten dabei Kanada, China und Japan, während Deutschland, die Schweiz, die USA und die nordischen Länder zuletzt rückläufig waren.
Warum das die Lage zuhause verschärft
Der Zoll trifft eine Branche, die ohnehin unter Druck steht. Der Absatz im Inland sinkt, beim Rotwein sind die Lager so voll, dass der Weinbauverband die Destillation von rund 10 Millionen Litern fordert. Ein Exportmarkt, der 8,5 Prozent des Werts trägt, ist in dieser Lage kein Nebenschauplatz.
Zugleich zeigt der US-Markt, wo die Chancen liegen. Gefragt sind dort genau jene Weine, die auch in Europa wachsen: frische Weissweine, Sekt, Rosé und leichtere Stile. Der hohe Durchschnittspreis von 6 Euro pro Liter belegt, dass österreichischer Wein in den USA nicht über den Preis verkauft wird - was ihn empfindlich für Zölle macht, aber widerstandsfähiger als Massenware.
FAQ - Häufige Fragen zu US-Zöllen auf Wein
Wie hoch ist der US-Zoll auf europäischen Wein?
15 Prozent, in Kraft seit 7. August 2025. Wein war nicht in der ersten Gruppe der von der EU erreichten Ausnahmen enthalten.
Wie wichtig sind die USA für österreichischen Wein?
Sie sind der zweitwichtigste Exportmarkt nach Deutschland. 2023 gingen 3,3 Millionen Liter im Wert von 19,8 Millionen Euro dorthin.
Was wäre der normale Zollsatz?
6,3 US-Cent pro Liter bei Stillwein, 19,8 Cent bei Schaumwein. Diese Meistbegünstigungssätze sind mengenbezogen und fallen bei hochpreisigem Wein kaum ins Gewicht.
Wird österreichischer Wein in den USA dadurch teurer?
Ja. Weil Importeur, Distributor und Händler ihre Aufschläge auf den erhöhten Einstandspreis rechnen, kommt im Regal mehr als der reine Zollbetrag an.
Zahlen österreichische Konsumenten mit?
Nicht direkt. Der Zoll fällt beim Import in die USA an. Indirekt wirkt er über die Marktlage der Betriebe, deren Exporterlöse sinken.
Verhandelt die EU über eine Ausnahme?
Ja. Die Kommission strebt Ausnahmen für ein Exportpaket von rund 150 Milliarden Euro an, in dem auch Wein und Spirituosen enthalten sind. Ein Ergebnis steht aus.
Wo findet man den aktuellen Stand?
Bei der Wirtschaftskammer Österreich, die ihre Übersicht zu den US-Zöllen laufend aktualisiert. Die Sätze haben sich seit 2025 mehrfach geändert.


