Von einem Hektar auf sechzig

Am Anfang standen drei Hektar Landwirtschaft am Lamberg bei Wies, davon ein einziger Hektar Weingarten. Heute bewirtschaftet Christian Reiterer rund 60 Hektar eigene Rebflächen und exportiert einen Großteil seiner Weine in zehn Länder.

Wie groß das für die Weststeiermark ist, zeigt ein Blick in die Erntestatistik. Statistik Austria weist für das ganze Weinbaugebiet 2025 genau 625 Hektar ertragsfähige Rebfläche aus. Reiterer selbst verortet seine Flächen in weststeirischen Spitzenlagen. Gemessen daran entfällt auf diesen einen Betrieb knapp jeder zehnte Hektar des Gebiets. Entlang der Schilcherweinstraße sind Höfe mit drei bis fünf Hektar der Normalfall, mehr dazu auf https://weststeiermark.at/schilcherweinstrasse.

Reiterer ist am Lamberg geboren und aufgewachsen. Als er begann, wurde aus dem Blauen Wildbacher überwiegend rustikaler Schilcher für die Buschenschanken der Umgebung. Er sah zwei andere Wege: den Lagen-Schilcher, der eine Ried erkennbar macht, und die Traube als Basis für Schaumwein. Pikanz, frische Säure und Beerenfrucht, so seine Begründung, seien dafür wie gemacht. Schon in den Achtzigerjahren brachte er Schilcher-Rosé Frizzante und Schilcher-Rosé Sekt auf den Markt.

Die Ried Lamberg: 18 Hektar rund ums Haus

Der Hausweingarten ist zugleich die größte Lage. Auf dem Lamberg bewirtschaftet das Weingut 18 Hektar, von 470 Metern Seehöhe hinunter bis Wies auf 370 Meter. Der Hang schaut nach Süden bis Südwesten und ist nach Süden offen. Kühle Luft fließt ab, Staunässe gibt es keine, Pilzkrankheiten kaum.

Im Boden dominiert Opok, jener verfestigte Mergel, den man sonst eher aus der Südsteiermark kennt. Für die Weststeiermark ist das bemerkenswert, deren Rieden meist auf Gneis und Schiefer stehen. Der Lamberg ist dabei in sich nicht einheitlich:

  • Oben, im Norden: schwere, tiefgründige Böden. Hier steht ein eigener Sauvignon-Klon für den Lagen-Sauvignon und den Sauvignon-Blanc-Sekt.
  • Unten: mehr Sandstein im Untergrund, zu 90 Prozent mit Blauem Wildbacher bepflanzt.

Die längsten Rebzeilen messen 250 Meter. Oben werden die Trauben am reifsten, unten am Waldrand bleiben sie frisch und kühl. Gelesen werden die Abschnitte deshalb getrennt, der Keller stellt sie danach je nach Wein neu zusammen.

Auf dem Etikett heißt der Riedenschilcher vom Lamberg "Eibiswald", weil Wies zum gleichnamigen Ortswein-Gebiet der DAC-Verordnung gehört. Warum das so ist, steht ausführlicher im Porträt der Schilcherei Jöbstl im selben Gemeindegebiet.

Engelweingarten: die Monopollage über Stainz

Die zweite Lage liegt 28 Kilometer vom Weingut entfernt, hoch über Stainz, und gehört dem Weingut allein. Rund 1,3 Hektar sind mit über 40 Jahre alten Wildbacher-Stöcken bepflanzt, weitere 3,2 Hektar wurden neu ausgepflanzt und tragen seit dem Jahrgang 2016.

Der Boden ist karg, die Humusschicht dünn. Bei Sonne glitzert an der Oberfläche überall Katzensilber, wie Glimmer im Volksmund heißt. Die kühlen Winde von der Koralpe verzögern die Reife, die Süd- und Ostlage und das wärmespeichernde Gestein holen sie wieder auf. Reiterer beschreibt den Blick von oben über das Sulmtal bis zur Riegersburg und nach Graz.

Weil der Engelweingarten im Ortswein-Gebiet Stainz liegt, steht auf diesen Flaschen "Stainz". Ein Betrieb, zwei Ortsnamen: Auf Reiterers Preisliste lässt sich die Ortsweinlogik der Weststeiermark an zwei Schilchern desselben Jahrgangs ablesen.

Schilcher mit Bläschen

Das Weingut nennt selbst den Fokus auf Sekt und Frizzante aus Blauem Wildbacher als das, was es über die Steiermark hinaus bekannt gemacht hat. Drei Schaumweine zeigen die Bandbreite.

Der Rosé Schilcher Frizzante wird laut Produktbeschreibung nicht mit Kohlensäure versetzt. Die Perlage stammt also aus der Gärung, was bei Frizzante keine Selbstverständlichkeit ist.

Für den Rosé Schilcher Sekt kommen die Trauben von rund 40 Jahre alten Stöcken am Lamberg, gelesen zwischen Mitte September und Mitte Oktober gezielt für den Sektgrundwein. Gepresst wird schonend, teilweise mit ganzen Trauben. Danach liegt der Sekt neun Monate auf der Feinhefe. Bei Mundus Vini 2022 erhielt er in seiner Kategorie Gold.

Die Spitze ist der Sekt Austria Große Reserve vom Engelweingarten, in traditioneller Flaschengärung gereift. Was diese Stufe bedeutet, regelt die Sektbezeichnungsverordnung: Handlese, Ganztraubenpressung mit höchstens 50 Prozent Saftausbeute, Trauben aus einer einzigen Gemeinde und mindestens 36 Monate auf der Hefe. Zum Vergleich: Die Einstiegsstufe Sekt Austria verlangt neun Monate Hefelager in der Flasche oder sechs im Tank. Mehr zu den drei Stufen steht unter Österreichischer Sekt g.U..

Preise und Analysewerte

Das Weingut veröffentlicht zu den meisten Weinen Alkohol, Säure und Restzucker. Stand Oktober 2026 im Onlineshop, jeweils 0,75 Liter:

WeinPreisAlkoholSäureRestzucker
Rosé Schilcher Frizzante9,90 €11,0 %10,4 g/l17,6 g/l
Sauvignon Blanc "Opok" 202411,00 €12,0 %5,5 g/l1,2 g/l
Schilcher Ried Lamberg "Eibiswald" 202412,00 €13,0 %6,8 g/l1,1 g/l
Schilcher Ried Engelweingarten "Stainz" Alte Reben 202412,90 €12,5 %7,5 g/l1,1 g/l
Rosé Schilcher Sekt, extra trocken13,80 €11,0 %10,2 g/l16,5 g/l
Sekt Austria Große Reserve Ried Engelweingarten, brut24,60 €11,5 %6,6 g/l2,2 g/l

Drei Dinge fallen auf. Die beiden Riedenschilcher sind mit 1,1 Gramm Restzucker staubtrocken und haben deutlich weniger Säure als Frizzante und Rosé-Sekt. Bei diesen beiden stehen über 10 Gramm Säure gegen 16 bis 18 Gramm Zucker, die Süße fängt die Säure ab.

Zweitens das Wort "extra trocken". Bei Stillwein endet "trocken" laut Delegierter Verordnung (EU) 2019/33 bei 4 Gramm Restzucker, bei entsprechend hoher Säure bei 9 Gramm. Für Schaumwein gilt eine eigene Skala: "extra trocken" bedeutet 12 bis 17 Gramm, "brut" unter 12 Gramm. Der Rosé-Sekt mit 16,5 Gramm ist also deutlich süßer als der Große-Reserve-Sekt mit 2,2 Gramm, obwohl "extra trocken" trockener klingt als "brut".

Drittens die Preisspanne. Zwischen dem Frizzante und der Großen Reserve liegt nicht einmal das Dreifache.

Für den Winter gibt es einen Schilcherglühwein aus eigener Produktion um 9,90 Euro, mit Traubensaft und wenig Zucker gesüßt - eine Abwandlung des klassischen Glühweins.

Besuch am Lamberg

Die Adresse ist Lamberg 11, 8551 Wies, Telefon +43 3465 3950. Laut Kontaktseite hat das Weingut Montag bis Freitag von 9 bis 12.30 Uhr und von 13 bis 17 Uhr geöffnet, an Sonn- und Feiertagen ist geschlossen. Wer am Samstag durch das Schilcherland fährt, sollte das einplanen.

Im Onlineshop entfallen die Versandkosten ab einem Bestellwert von 49,50 Euro, das entspricht fünf Flaschen Frizzante.

Drei Weingüter namens Reiterer

Wer in der Steiermark nach dem Weingut Reiterer sucht, landet bei drei verschiedenen Betrieben. Die Wein Steiermark führt ein Weingut Reiterer in Leutschach an der Weinstraße, Eichberg-Trautenburg 36, mit einem Sortiment von Welschriesling bis Merlot auf Sand, Sandstein und Schotter. Dazu kommt das Weingut Kitzecker Reiterer in Kitzeck im Sausal, Einöd 10. Der Schilcher- und Sektbetrieb von Christian Reiterer am Lamberg in Wies ist der einzige der drei in der Weststeiermark.

FAQ - Häufige Fragen zum Weingut Reiterer

Wo liegt das Weingut Christian Reiterer?

Am Lamberg 11 in 8551 Wies in der Weststeiermark. Die zweite Lage, der Engelweingarten, liegt 28 Kilometer entfernt über Stainz.

Wie groß ist das Weingut Reiterer?

Rund 60 Hektar eigene Rebflächen, davon 18 Hektar in der Ried Lamberg. Begonnen hat Christian Reiterer mit einem Hektar.

Wann hat das Weingut Reiterer geöffnet?

Montag bis Freitag von 9 bis 12.30 Uhr und von 13 bis 17 Uhr. Sonn- und Feiertage sind geschlossen.

Was kostet ein Schilcher Sekt von Reiterer?

Der Rosé Schilcher Sekt kostet 13,80 Euro, der Frizzante 9,90 Euro. Der Sekt Austria Große Reserve vom Engelweingarten liegt bei 24,60 Euro.

Ist der Frizzante von Reiterer mit Kohlensäure versetzt?

Nein. Laut Weingut wird dem Rosé Schilcher Frizzante keine Kohlensäure zugesetzt.

Was ist der Engelweingarten?

Eine Monopollage des Weinguts über Stainz mit kargen, glimmerhaltigen Böden. Rund 1,3 Hektar tragen über 40 Jahre alte Reben, weitere 3,2 Hektar stehen seit dem Jahrgang 2016 im Ertrag.

Ist das Weingut Reiterer in Leutschach derselbe Betrieb?

Nein. Das Weingut Reiterer in Leutschach an der Weinstraße und das Weingut Kitzecker Reiterer in Kitzeck sind eigenständige Betriebe in der Südsteiermark. Christian Reiterer arbeitet in Wies in der Weststeiermark.