Schilcherei Jöbstl in Wies - Schilcher in über 30 Varianten
Vom Frizzante bis zum Schnürlwein: In Wernersdorf wird aus dem Blauen Wildbacher fast alles gemacht. Acht Landessiege inklusive.
Obstbauern, die zu Winzern wurden
Die Schilcherweinstraße endet im Süden an einem Hof mit einer schlichten Adresse: Am Schilcherberg 1, Wernersdorf bei Wies. Hier bearbeitet die Familie Jöbstl laut eigener Chronik seit dem 17. Jahrhundert Grund und Boden. Wein war dabei lange Nebensache.
Der Großvater stellte den Betrieb Anfang des 20. Jahrhunderts von Ackerbau und Viehzucht auf Obstbau um. Erst 1984 begann Hannes Jöbstl nach seiner Ausbildung an der Höheren Bundeslehranstalt in Klosterneuburg, die Früchte am Hof selbst zu veredeln - zunächst rund 15 Jahre gemeinsam mit seinen Eltern Waltraud und Johann, nach der Übergabe mit seiner Frau Luise. Seit 2018 arbeitet Sohn Johannes mit, nach seinem Abschluss in Silberberg.
Die Herkunft aus dem Obstbau merkt man dem Sortiment bis heute an. Neben Wein stehen Apfelsäfte aus handgelesenen steirischen Äpfeln im Regal, bei 80 Grad pasteurisiert und ohne Zuckerzusatz abgefüllt.
Eine Traube, über 30 Produkte
Der Betrieb nennt sich Schilcherei, mit eingetragenem Markenzeichen. Die Wein Steiermark zählt im Betriebsprofil über 30 verschiedene Produkte, die hier aus dem Blauen Wildbacher entstehen:
- Still und rosé: Schilcher Klassik, die Riedenweine Kraß und Schilcherberg, der Ortswein "Alter Weingarten", dazu der fruchtigere No 5 und Das Rosarote Schaf.
- Weiß gepresst: Blauer Wildbacher weiß, als Stillwein, Frizzante und Jahrgangssekt. Der Most wird sofort von den Schalen getrennt, die Farbe bleibt draußen.
- Prickelnd: Schilcher Frizzante, die Holunderblüten-Variante Pink Buco und zwei Jahrgangssekte in traditioneller Flaschengärung. Der Rosé-Sekt reift 20 Monate auf der Hefe, der weiße Schilchersekt 40 Monate.
- Rot: Blauer Wildbacher rot, mindestens 24 Monate im Holzfass, damit Gerbstoff und Säure zusammenfinden. Dazu der "Alter Freund", ein wie Portwein im Fass ausgebauter Schilcher, sieben Jahre gereift.
- Süß: Novemberlese, Eiswein, Trockenbeerenauslese und der Schnürlwein.
Der Schnürlwein ist die eigenwilligste Flasche im Keller. Die im Oktober gelesenen Trauben werden auf Schnüre gehängt und trocknen dort drei Monate gut durchlüftet, bis der Wasseranteil verdunstet ist und der Zucker sich konzentriert hat. Das Ergebnis ist ein Strohwein im Sinne der österreichischen Prädikatsstufen - aus einer Sorte, die man sonst mit rassiger Säure und Brettljause verbindet.
Ried Kraß und Ried Schilcherberg
Acht Landessiege der Steirischen Landesweinbewertung stehen auf der Liste der Familie:
| Jahr | Landessieger mit |
|---|---|
| 1997 | Blauer Wildbacher (Rotwein) |
| 1999 | Sauvignon Blanc |
| 2001 | Schilcher Ried Kraß |
| 2007 | Schilcher Ried Kraß |
| 2016 | Schilcher Ried Kraß |
| 2018 | Schilcher Ried Schilcherberg |
| 2019 | Schilcher Ried Schilcherberg |
| 2021 | Schilcher Ried Kraß DAC |
Die Tabelle erzählt zwei Dinge. Erstens hängt der Ruf an zwei Lagen: Vier der acht Siege gingen an die Ried Kraß, zwei an die Ried Schilcherberg, also sechs an Riedenschilcher. Zweitens liegen zwischen dem ersten und dem letzten Kraß-Sieg zwanzig Jahrgänge. Das spricht weniger für ein Glücksjahr als für eine Lage, die verlässlich liefert.
Die Ried Kraß beschreibt das Weingut als traditionellen Weststeirer mit rassiger Säure, den Schilcherberg als mineralisch, intensiv und lange lagerfähig. Wer die beiden nebeneinander probiert, versteht den Unterschied zwischen Riedenweinen ohne Etikettenkunde.
Nach eigener Zählung war der Betrieb außerdem 22 Mal im SALON Österreich Wein vertreten, zuletzt 2024 mit Schilcher. Bei der Süßweintrophy 2026 des Falstaff erhielt die Schilcher-Trockenbeerenauslese 2019 laut Weingut 95 Punkte, der Eiswein 2020 94 Punkte.
Warum ein Wieser Schilcher "Eibiswald" heißt
Auf einer Flasche steht ein Ort, den man am Weingut gar nicht vermutet. Der Ortswein "Alter Weingarten" trägt den Namen Eibiswald, obwohl Wernersdorf zur Gemeinde Wies gehört.
Der Grund steht in der DAC-Verordnung Weststeiermark. Sie kennt vier ortsübergreifende Ortswein-Gebiete: Ligist, Stainz, Deutschlandsberg und Eibiswald. Zum Gebiet Eibiswald zählen auch Katastralgemeinden der Gemeinde Wies, darunter ausdrücklich Wernersdorf. Leitsorten sind dort Schilcher und Sauvignon Blanc.
Zwei weitere Regeln aus derselben Verordnung erklären das Etikett. Ein Schilcher der Gebietsstufe muss "Schilcher Klassik" heißen. Und anders als etwa Sauvignon Blanc darf Schilcher schon vor dem 1. März des Folgejahres verkauft werden. Die Weststeiermark folgt damit dem dreistufigen DAC-System aus Gebiet, Ort und Ried, mit Sonderregeln für ihre Leitsorte.
Was die Weine kosten
Stand Oktober 2026 im Onlineshop des Weinguts, jeweils 0,75 Liter, sofern nicht anders angegeben:
| Wein | Stufe | Preis |
|---|---|---|
| Schilcher Klassik 2025 | Gebietswein | 8,90 € |
| Schilcher Junker 2026 | Jungwein | 8,90 € |
| Schilcher Novemberlese 2025, lieblich | 8,10 € | |
| Schilcher Ried Kraß 2025 | Riedenwein | 9,40 € |
| Eibiswald "Alter Weingarten" 2025 | Ortswein | 9,40 € |
| Blauer Wildbacher weiß 2025 | 9,40 € | |
| Schilcher Ried Schilcherberg 2025 | Riedenwein | 9,60 € |
| Schilcher Klassik Privat 2025 | Gebietswein | 9,80 € |
| Schilcher Frizzante | 9,80 € | |
| Lady Rosé, fassgelagert | 18,40 € | |
| Schilcher Jahrgangssekt Reserve | Sekt Austria g.U. | 16,90 € |
| Die Wildbacherin | Sekt Austria g.U. Große Reserve | 21,50 € |
| Eiswein, Schnürlwein, Trockenbeerenauslese | je 0,375 l | je 34,00 € |
Bemerkenswert ist der Abstand zwischen den Stufen. Der mehrfach prämierte Riedenwein von der Kraß kostet 50 Cent mehr als der Schilcher Klassik. Zum Vergleich: Beim Weingut Lex Langmann in St. Stefan ob Stainz beginnen die Schilcher-Riedenweine bei 12 Euro. Wer Lagenunterschiede beim Schilcher kennenlernen will, kann das in Wernersdorf für unter 20 Euro mit zwei Flaschen tun.
Der Junker kommt traditionell am Mittwoch vor Martini in den Verkauf und bleibt rund drei Monate im Angebot.
Im Weingarten und im Keller
Die Wein Steiermark führt für den Betrieb Böden aus Opok, Schiefer und Gneis sowie das Zertifikat Nachhaltig Austria. Gelesen wird von Hand, in kleine Behälter. Im Weingarten arbeitet die Familie nach den Grundsätzen des integrierten Pflanzenschutzes: Nützlinge wie Marienkäfer fördern, Sexuallockstoffe gegen Schädlinge einsetzen, Pflanzenschutzmittel gezielt auf einzelne Erreger wählen. Weil die Gegend an der Koralpe ausreichend Niederschlag bekommt und die Wiesenstreifen regelmäßig gemulcht werden, kommt der Betrieb weitgehend ohne mineralischen Dünger aus.
Zwei Details fallen auf. Rund 95 Prozent der Produkte sind vegan, auch Schönungsmittel und Etikettenkleber kommen ohne tierische Bestandteile aus. Und leere Flaschen, die Kundinnen und Kunden zurückbringen, werden gereinigt und wieder befüllt, obwohl sich das finanziell nicht rechnet.
Besuch in Wernersdorf
Der Ab-Hof-Verkauf hat von März bis Dezember geöffnet, Mittwoch bis Samstag von 10 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr. Im Jänner und Februar und außerhalb der Zeiten geht es nach telefonischer Voranmeldung unter +43 3466 43210. Innerhalb der Öffnungszeiten ist keine Anmeldung nötig, Gruppenverkostungen schon: mindestens 6, höchstens 20 Personen, bei einzelnen Formaten mehr.
Vom Hof führt die Erlebnis Schilcher Weinwelt durch die Weingärten, ein Rundweg von rund 1,1 Kilometern mit sechs Stationen, der rund 45 Minuten dauert. Texte stammen aus dem "Schilcher ABC" des weststeirischen Schriftstellers Reinhard P. Gruber, am Ende weiß man angeblich, welcher Schilchertyp man ist. Der Weg ist Teil des Strutz-Mühlen-Erlebnisweges der Marktgemeinde Wies, der offizielle Start liegt beim Infopoint in Wernersdorf.
Im Ortszentrum von Wernersdorf steht die Emmauskapelle mit 14 Werken des Künstlers Gerald Brettschuh, durch die Luise Jöbstl Gruppen auf Wunsch führt. Zimmer gibt es am Hof keine, aber laut Steiermark Tourismus einen Stellplatz zum Campen am Waldrand. Was Wies und seine Ortsteile sonst zu bieten haben, steht auf https://weststeiermark.at/wies.
Zu den Junkertagen öffnet das Weingut am 25. Oktober 2026 zur "Junker:Lese", einem Literaturnachmittag mit Verkostung. Der Eintritt ist frei, die Plätze sind begrenzt.
FAQ - Häufige Fragen zur Schilcherei Jöbstl
Wo liegt die Schilcherei Jöbstl?
Am Schilcherberg 1, 8551 Wernersdorf bei Wies, am südlichen Ende der Schilcherstraße in der Weststeiermark.
Wann hat das Weingut geöffnet?
Von März bis Dezember, Mittwoch bis Samstag, 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr. Außerhalb dieser Zeiten und im Jänner und Februar nach telefonischer Voranmeldung.
Was bedeutet "Schilcherei"?
Es ist der Name des Betriebs, als Marke eingetragen. Der Name verweist darauf, dass hier über 30 Produkte aus der Schilchertraube entstehen, vom Frizzante über Sekt und Rotwein bis zum Schnürlwein.
Was ist ein Schnürlwein?
Ein süßer Wein aus Trauben, die nach der Lese im Oktober drei Monate an Schnüren hängen und dabei Wasser verlieren. So konzentriert sich der Zucker. Bei Jöbstl entsteht er aus Blauem Wildbacher und kostet 34 Euro für 0,375 Liter.
Wie oft war Jöbstl Steirischer Landessieger?
Acht Mal, zwischen 1997 und 2021. Vier Siege holte der Schilcher von der Ried Kraß, zwei der Schilcher von der Ried Schilcherberg, je einen ein Rotwein aus Blauem Wildbacher und ein Sauvignon Blanc.
Was kostet ein Schilcher von Jöbstl?
Der Schilcher Klassik kostet 8,90 Euro, die Riedenweine Kraß und Schilcherberg 9,40 bzw. 9,60 Euro. Die Jahrgangssekte liegen bei 16,90 und 21,50 Euro.
Warum steht "Eibiswald" auf einem Wein aus Wies?
Weil die DAC-Verordnung Weststeiermark die Katastralgemeinde Wernersdorf dem Ortswein-Gebiet Eibiswald zuordnet. Ein Ortswein vom Weingut trägt deshalb diesen Namen.


